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Kommentar: Reaktionen auf Nordkoreas Drohung - Chinas Rachegötter

Kommentar : Reaktionen auf Nordkoreas Drohung - Chinas Rachegötter

Man weiß zunächst nicht, ob man über die Hybris der nordkoreanischen Nuklear-Erpresser lachen oder weinen soll. Entscheidet man sich schließlich fürs Lachen, bleibt einem dies prompt im Halse stecken.

Denn die unverschämte, irre Drohung Pjöngjangs mit einem atomaren Präventivschlag gegen die USA ist keineswegs leer. Zwar ist es technisch praktisch ausgeschlossen, dass das Regime schon morgen amerikanische Städte direkt mit Atomwaffen angreifen kann. Doch das Regime hat mehrfach bewiesen, dass es seine Fähigkeiten zur Massenvernichtung beharrlich weiterentwickelt.

Es verfügt bereits über mehrere funktionierende nukleare Sprengsätze, auch in Größen, die sich auf stets verbesserte Trägersysteme mit wachsendem Radius montieren lassen. Und was schließlich entscheidend ist: Die notwendige Skrupellosigkeit zum Einsatz solcher Waffen ist nahezu unbegrenzt verfügbar. Wer sein eigenes Volk über Jahrzehnte hinweg hungern lässt, der führt es - ist der eigene Machterhalt ernsthaft in Gefahr - auch in den nuklearen Tod.

Wenn man wenigstens sagen könnte, der jugendlich wirkende Kim Jong Un habe spätestens am Donnerstag sein wahres Gesicht gezeigt! Schließlich hatte der jüngste Spross der Kim-Dynastie in seiner Neujahrsansprache für einen Hoffnungsschimmer gesorgt, dass er das Land vorsichtig öffnen könne - was sich nun als Makulatur erweist. Tatsächlich kann aber niemand sagen, wer da wann sein Gesicht zeigt, wer der wahre Kopf ist, der hinter allem steckt. Lässt Kim die Militärs nach seiner Pfeife tanzen - oder ist es umgekehrt? Die Generäle jedenfalls haben kein Interesse an Deeskalation. Sie und die Parteikader sichern ihre Pfründe dann am besten, wenn das Feuer des kalten Kriegs lodert.

Einmal mehr ruht alle Hoffnung auf China, dem letzten Verbündeten Nordkoreas. Peking dürfte hin- und hergerissen sein. Nordkorea ist reich an Bodenschätzen, die der große prosperierende Bruder gut gebrauchen kann. Außerdem will China nicht auf die Pufferzone zwischen sich und den US-amerikanischen Truppen in Südkorea verzichten. Andererseits können sich Pekings Machthaber auch nicht länger ansehen, wie die Halbstarken aus Pjöngjang ihnen weiter auf der Nase herumtanzen. Nichts kann China weniger gebrauchen als ein nukleares Wettrüsten vor seiner Haustür - oder eine durch Nordkorea provozierte USA-Ostasien-Allianz. Es ist daher folgerichtig, dass China wiederholt im UN-Sicherheitsrat gegen Nordkorea gestimmt hat. Würde China eines Tages den Geld- und Warenhahn Richtung Nordkorea zudrehen, wäre das Regime dort rasch am Ende.

In der griechischen Mythologie ist es die Rache-Göttin Nemesis, die Übermut und Anmaßung bestraft. In der Nordkorea-Politik kommt es den Chinesen zu, die Hybris Pjöngjangs einzudämmen. Das Strafpotenzial ist vorhanden.