1. Meinung
  2. Kommentare

Kommentar zur möglichen Reform der Kirchensteuer: Richtiger Ansatz

Kommentar zur möglichen Reform der Kirchensteuer : Richtiger Ansatz

Die evangelische Kirche wagt einen Vorstoß zur möglichen Reform der Kirchensteuer. Ein flexibler Ansatz ist durchaus richtig. Die Kirche muss auf den Zeitgeist reagieren, kommentiert unser Autor.

Für manche Kirchenleute ist es, als wäre der Leibhaftige im Raum: Rührt bloß nicht an der Kirchensteuer! Sprecht nicht einmal darüber! Jedes Mal, wenn darüber debattiert wird, oder auch nur der Begriff fällt, treten ja nur noch mehr Menschen aus! Denn desto weniger Geld die Kirche hat, desto weniger Stellen kann es geben, desto mehr Gemeinden müssen zusammengelegt werden – und desto mehr müsste man sich auch Gedanken machen, wie man Kirche jenseits vertrauter Strukturen und eingefahrener Formen, mit weniger Personal und weniger Gebäuden, leben wollte.

Deswegen ist es durchaus gewagt, wenn der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm nun darüber nachdenken will, ob man Menschen, die am Berufsanfang stehen, mit einem geringeren Kirchensteuersatz die Kirchenmitgliedschaft schmackhaft machen könnte. Zumal man mit Recht die Frage stellen kann, ob aus Sicht der EKD die Kirchenmitgliedschaft wirklich nur am Gelde hängt. Aber Bedford-Strohms Ansatz geht trotzdem in die richtige Richtung: Die Kirche muss in einer Zeit, in der sich immer weniger Menschen dauerhaft an etwas binden wollen, in ihren weltlichen Formen flexibler werden.

Weswegen die Ansätze von Heinrich Bedford-Strohm hier durchaus richtig sind – nicht umsonst kennen ja auch viele Vereine schon seit Jahren abgestufte Mitgliedsbeiträge für Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen. Nachdenken sollte die Kirche zum Beispiel auch über eine stärkere Entlastung für Geringverdiener: Wenn der Grundfreibetrag, ab dem auch die Kirchensteuer fällig wird, nicht bei 9408 Euro läge, sondern etwa bei 20 000 Euro zu versteuerndem Einkommen pro Jahr, wäre das doch auch ein schönes Signal an viele sozial schwächere Menschen im Land.