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Kommentar zum Corona-Impfstoff in Russland: Russisches Roulette

Kommentar zum Corona-Impfstoff in Russland : Russisches Roulette

Russland hat einen Impfstoff gegen Corona entwickelt und prescht jetzt vor. Aber Putin wartet die entscheidenden Massentests nicht ab, sondern lässt den Impfstoff unzureichend geprüft auf seine Bevölkerung los und spielt so mit dem Leben seiner Bürger, kommentiert Antje Höning.

Die Corona-Pandemie hat den Kampf um die Vorherrschaft in der Welt verschärft. Erst mussten die Chinesen erleben, wie schnell ihre Geschichte vom ewigen Wirtschaftswachstum enden kann. Dann mussten die Vereinigten Staaten, die schon mehr als 160.000 Tote und fünf Millionen Infizierte haben, feststellen, wie verwundbar sie sind. Ausgerechnet die größte Volkswirtschaft der Welt bekommt die Corona-Krise nicht in den Griff.

Entsprechend hart wird der Kampf um den Impfstoff geführt. Wer als erster ein Mittel auf den Markt bringen und Millionen Dosen herstellen kann, kann seine Bevölkerung von der Pandemie befreien und Prestige als wissenschaftliche Großmacht gewinnen. Zugleich kann er auch als erster seine Wirtschaft aus der Krise führen.

Und nun preschen ausgerechnet die Russen mit der Zulassung eines Impfstoffes vor. Dass Präsident Wladimir Putin ihn auf den Namen Sputnik V taufen lässt, verrät, dass es um mehr geht als um Pharmazie, sondern auch um globale PR.

Bewusst will Putin an 1957 erinnern, als die Russen den ersten Sieg beim Wettlauf ins All errangen: Sie – und nicht die Amerikaner – hatten damals den ersten Satelliten in den Weltraum gebracht und dem Westen einen Schock versetzt. Nun will Putin es der Welt und insbesondere seinem Gegner im Weißen Haus, Donald Trump, zeigen.

Doch während Sputnik I tatsächlich flog, gibt es zu Sputnik V bislang nur vollmundige Ankündigungen. Der Preis, den die Russen für den vermeintlichen Vorsprung zahlen müssen, könnte hoch werden. Auch in China, den USA und Deutschland gibt es vielversprechende Impfstoff-Kandidaten. Doch aus gutem Grund werden sie erst gründlich an vielen Versuchspersonen getestet, bevor alle im Land sie bekommen. Denn die Gefahr ist groß, dass die Impfung sonst nicht hilft oder ihrerseits schwere Schäden anrichtet.

Russland aber wartet die entscheidenden Massentests nicht ab, sondern lässt den Impfstoff unzureichend geprüft auf seine Bevölkerung los. Putins Glücksspiel kann gut gehen, dann sind die Russen als erstes geschützt.

Es kann aber auch schief gehen, dann gibt es neben den vielen Covid-Toten auch noch viele Impfopfer zu beklagen. Der Autokrat Putin spielt russisches Roulette mit seinen Bürgern, um einen billigen PR-Coup zu landen.