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Kommentar zum Bonner Wochenmarkt: Sanktionen sind falsch

Kommentar zum Bonner Wochenmarkt : Sanktionen sind falsch

Den Einwegmüll auf dem Markt möglichst zu vermeiden, ist sinnvoll. Es wäre allerdings vernünftig, mit der Marktgilde gemeinsam nach einem Weg zu suchen, zumal Politik und Verwaltung die Händler zu einem Bonus-Malus-System offenbar gar nicht erst befragt haben, kommentiert unser Autor.

Es ist sicher ein hehres Ziel, das Grüne und Liberale mit ihrem Antrag für weniger Einwegverpackungen auf dem Bonner Wochenmarkt verfolgen. Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) schätzt, dass Einwegkunststoffe etwa ein Zehntel der immensen Müllberge ausmachen, die wir in Deutschland produzieren.

Mitte des kommenden Jahres soll deshalb ein EU-weites Verbot von Einwegplastik kommen. Der VKU, Lobbyverein kommunaler Unternehmen gegenüber Land, Bund und EU, war es übrigens, der zuletzt anmahnte, der Effekt drohe zu verpuffen, wenn Einwegplastik einfach durch anderes Einwegmaterial ersetzt würde, und die Sinnhaftigkeit von Mehrwegverpackungen ebenso betonte wie die Deutsche Umwelthilfe. Soweit zur politischen Großwetterlage.

Das nun vom Bonner Wirtschaftsausschuss beschlossene behutsamere Vorgehen, von konkreten Sanktionen oder auch finanziellen Anreizen für willige Beschicker in Bonn abzusehen, ist dennoch nachvollziehbar. Einerseits will die EU Einwegplastik ohnehin verbieten. Aber das Andererseits wiegt schwerer: Kein Wort ist in den Anträgen zu diesem Thema über die Einschätzungen der coronageplagten Marktbeschicker selbst zu lesen. Offenbar wurde ihnen und der Marktgilde kein Raum gegeben, mögliche Auswirkungen von Einwegsanktionen auf die eigene Existenz zu beschreiben, wie es sich eigentlich unter Vertragspartnern gehört.

Bedauerlich ist, dass die Marktgilde ein Geheimnis aus ihren eigenen Plänen zu einem plastikarmen Wochenmarkt in der Stadt macht. Möglicherweise liegen die Ansichten der Kommunalpolitiker und der Genossenschaft gar nicht weit auseinander. Zweifelsohne stünde es der Stadt Bonn, die sich auch Stadt der Nachhaltigkeit nennt, gut zu Gesicht, wenn sie einen müllarmen oder sogar müllfreien Wochenmarkt vorzuweisen hätte. Den Weg dorthin sollten die Vertragspartner besser gemeinsam beschreiten, als einseitig ein Bonus-Malus-System vorzuschreiben.