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Transplantationspraxis: Schwarze Schafe

Transplantationspraxis : Schwarze Schafe

Kein Arzt, zumindest das bleibt positiv festzuhalten, hat sich laut Erkenntnissen der Prüfungskommission und Überwachungskommission für Transplantationen persönlich bereichert, als er Patientendaten manipulierte, um Einfluss auf die Vergabe von Spenderorganen zu nehmen.

Auch sollen Privatpatienten nicht bevorzugt worden sein. Offenbar also keine Zwei-Klassen-Medizin auf der Grenze zwischen Überleben und Tod.

Das allerdings gibt keinen Anlass zur Beruhigung. Dass an Kliniken Patienten bewusst erst kranker gemacht werden, um ihnen zu einem neuen Organ und anschließender Gesundung zu verhelfen, wird das Vertrauen in die Ärzteschaft insgesamt nicht befördern. Auch wenn es gegenüber den in überwältigender Mehrheit sauber und gesetzeskonform arbeitenden Kollegen unfair ist. Sensible Bereiche wie die Medizin werden da oft als Ganzes wahrgenommen und in Haftung genommen, auch wenn es nur wenige schwarze Schafe in weißen Kitteln gibt.

Die mögen sich tatsächlich auch in erster Linie um ihre Patienten gesorgt haben. Und vielleicht nur im Hinterkopf den Gedanken gehabt haben, ihre Abteilung durch mehr Operationen ins letztlich auch wirtschaftlich bessere Licht zu setzen. Doch haben sie mitzuverantworten, wenn die Zahlen der Organspender stagnieren oder sogar zurückgehen, weil das Misstrauen ins Medizinsystem größer wird als die Bereitschaft, sterbenskranken Menschen eine Perspektive zu verschaffen.

Hier hilft nur Kontrolle. Und Kontrolleure, denen man unbedingt vertrauen kann.