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Kommentar zu Impfungen: Schwarzer Peter für Schulen und Kitas

Kommentar zu Impfungen : Schwarzer Peter für Schulen und Kitas

Es ist völlig offen, ob die Masern-Impfpflicht wirklich dafür sorgt, dass mehr Kinder geimpft werden, glaubt GA-Redakteurin Lisa Inhoffen. Der Schwarze Peter liege vor allem bei Schulen und Kitas.

Noch ist es blanke Theorie, ob das neue Masernschutzgesetz die Zahl der Impfungen auch in Bonn nach oben schnellen lässt. Das wird sich erst mit der Zeit zeigen.

Fest steht: Die Impfquote der künftigen Erstklässler der Bundesstadt ist bereits ganz ordentlich, auch wenn sie immer noch nicht der Impfquote von mindestens 95 Prozent entspricht, die laut Weltgesundheitsorganisation nötig ist, um die Masern auszurotten. Fest steht auch: Die Impfpflicht polarisiert die Menschen wie kaum ein anderes Thema. Auch unter den Ärzten gehen die Meinungen zur gesetzlichen Impfpflicht auseinander. Schließlich geht es unter anderem um das Grundrecht des Menschen auf körperliche Unversehrtheit. Dagegen steht allerdings das Recht der Mitmenschen, vor dieser Krankheit geschützt zu werden. Extrem ansteckungsgefährdet sind vor allem Säuglinge, die noch nicht geimpft werden dürfen. Laut Experten des Robert-Koch-Instituts ist eine Masernimpfung gut verträglich und deutlich weniger riskant als eine Erkrankung.

 Jetzt tritt das Gesetz an diesem Sonntag in Kraft. Der Schwarze Peter liegt vor allem bei den Schulen und Kitas, die darauf achten müssen, dass das Gesetz eingehalten wird. Die Schul- und Kitaleitungen sind nicht zu beneiden. Eigentlich hatte die Stadt eine Durchführungsverordnung des Landes erwartet, doch die wird es nicht geben. Stattdessen bereitet das Ministerium nach eigenen Angaben entsprechende Informationen und Unterlagen vor, die die Schulen und Kitas in der Ausführung unterstützen sollen. Gleich, welchen Namen das Kind hat: Es ist ein Unding, dass diese Unterlagen nicht längst auf dem Tisch liegen.

Die Hauptfragen sind doch: Ist das Gesetz in Wirklichkeit nicht ein zahnloser Tiger, weil grundsätzlich kein Kind vom Schulbesuch ausgeschlossen werden darf? Was ist, wenn Eltern unbelehrbar sind und es bleiben und sich trotz drohender Bußgelder weiterhin gegen eine Impfung entscheiden? Und warum sollten die Mitarbeiter von Gesundheitsämtern mehr Überzeugungskraft besitzen als Kinderärzte, von denen die meisten seit Jahren mit dem Problem der Impfgegner zu kämpfen haben, wie zuletzt der Vorsitzende des Vereins der Bonner Kinder- und Jugendärzte, Axel Gerschlauer, in einem GA-Interview beklagt hat?