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Kommentar zum Rücktritt der Trump-Vertrauten Conway: Schwere Schlagseite

Kommentar zum Rücktritt der Trump-Vertrauten Conway : Schwere Schlagseite

Kellyanne Conway erfand den Begriff „alternative Fakten“ und ist Trumperin der ersten Stunde. Ihr Rückzug ist für den US-Präsidenten ein schlechtes Zeichen.

In der stattlichen Verschleißliste der Regierung Trump nimmt der Name Kellyanne Conway einen besonderen Platz ein. Die PR-Spezialistin ist Trumperin der ersten Stunde, mitverantwortlich für seinen erfolgreichen ersten Präsidentschaftswahlkampf. Mit dem frischen Wahlsiegesschwung im Rücken und stahlharter Propaganda-Rhethorik gelang es der zeitweise fast omnipräsenten Conway, jeder Botschaft den richtigen Dreh zu verpassen, unabhängig von den Fakten. Da die garstige Realität schon in der Frühphase der Präsidentschaft oft nicht zum gewünschten Bild der Großartigkeit und Einmaligkeit passte, erfand Conway die „alternativen Fakten“ – ihr bleibendes Erbe.

Der Begriff umreißt zwar nichts anderes als Verdrehungen, Verzerrungen, Fehlinterpretationen oder schlicht Lügen. Doch dem Konzept liegt die leider nicht abwegige Einschätzung zugrunde, dass im politischen Prozess oft nicht Wahrheit und Realität entscheidend sind, sondern das, was die angepeilte Wählerzielgruppe dafür hält beziehungsweise ihr von den politischen Verkaufsprofis mundgerecht als solche präsentiert wird. Nun hat Conway genug. Will sie tatsächlich mehr „Mama als Drama“? Oder ist es nur ein Vorwand, sich rechtzeitig von einer mit schwerer Schlagseite in die Endphase des Wahlkampfs driftenden Präsidentschaft abzusetzen?

So oder so, für Trump ist die Rücktrittsankündigung ein schlechtes Zeichen, schließlich will er sich in dieser Woche von seiner Partei mit Glanz und Gloria für eine zweite Amtszeit nominieren lassen. Davon ablenkende Botschaften kann er nicht gebrauchen. Interessant wird nun vor allem sein, ob weitere prominente Unterstützer Trump den Rücken kehren. In diesem Fall droht sich der Sog schlechter Nachrichten zu einem Zeitpunkt zu verstärken, der für die ersehnte zweite Amtszeit kritisch ist.