Kommentar Skandal um Tebartz-van Elst - Nicht von dieser Welt

Zur "Entweltlichung" hat der emeritierte Papst Benedikt XVI. seine Kirche aufgerufen, und der Bischof von Limburg kommt dem in ganz eigener Weise nach: Franz-Peter Tebartz-van Elst lebt offensichtlich in seiner eigenen Welt, die nichts mit der Welt zu tun hat, die seine Mitmenschen wahrnehmen. Nur so ist die Ausdauer zu erklären, mit der er seine Rolle in einer Tragikomödie spielt, unter der die katholische Kirche in ganz Deutschland leidet.

Spätestens am Donnerstag hätte Tebartz-van Elst dem Papst seinen Rücktritt anbieten müssen. Warum lässt er stattdessen seinen Pressesprecher Zeit mit der Ausrede schinden, bisher liege von der Staatsanwaltschaft Hamburg nur eine Presseerklärung über den beantragten Strafbefehl vor? Will er wirklich abwarten, ob dieses Dokument Rechtskraft erhält und er, der Bischof von Limburg, damit ein verurteilter Straftäter ist?

Auch unabhängig von dieser Eskalation müsste Franz-Peter Tebartz-van Elst seinen bischöflichen Stuhl räumen. Es ist nicht sein Lebensstil mit Edel-Badewanne und Flug in der Ersten Klasse, der ihn sein Amt kosten wird. Das könnte er ja korrigieren. Stürzen aber wird er über seinen Umgang mit der Wahrheit.

Da rechtfertigt er die skandalöse Baukostenentwicklung bei seiner Residenz mit Denkmalschutz-Auflagen, von denen die Behörden nichts wissen wollen. Und da bestreitet er seinen First-Class-Flug vor laufender Kamera - um dann sein eigenes Dementi durch eine Versicherung an Eides Statt zu dementieren.

An diesem Punkt musste die Staatsanwaltschaft tätig werden. Aber auch wenn es nicht so weit gekommen wäre, müsste Tebartz-van Elst gehen. Ein Bischof, der lügt, beschädigt sein Amt im Kern, denn er hat für die Wahrheit Zeugnis abzulegen.

[kein Linktext vorhanden]Wenn Tebartz-van Elst diesen Zusammenhang nicht sieht, dann hat er neben aller Kritik auch Mitleid verdient. Vielleicht ist es mit ihm so weit gekommen, dass er die Unwahrheit nicht als solche wahrnimmt. Dass er glaubt, er müsse nur nachdrücklich etwas behaupten, damit sich die Realität dem anpasst. Und offenbar sind auch Weggefährten seiner Suggestionskraft erlegen und haben ihn dann wieder bestärkt.

Der Erzbischof von Köln etwa, der davon ausging, in Limburg werde nur eine Kampagne gegen einen aufrechten Mann der Kirche geführt. Oder der Vermögensverwaltungsrat, der das Finanzgebaren des Bischofs nicht kontrollierte und dessen Sprecher sich damit entschuldigt, er habe Tebartz-van Elst für einen Ehrenmann gehalten.

[kein Linktext vorhanden]Für viele seiner Anhänger war der jugendlich wirkende Bischof sogar mehr als ein Ehrenmann: ein charismatischer Hoffnungsträger. Vielleicht deshalb haben es Amtsbrüder und Mitarbeiter an der nötigen Distanz fehlen lassen. Da kann man nur hoffen, dass sie aus dem traurigen Schicksal des Franz-Peter Tebartz-van Elst lernen.

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