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Kommentar zur Lage im Libanon: Sofortige Hilfe

Kommentar zur Lage im Libanon : Sofortige Hilfe

Die Katastrophe von Beirut trifft ein Land, das schon am Boden liegt. Der Libanon steckt in der schlimmsten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten. Das könnte fatale Folgen für die Region haben, kommentiert unser Autor.

Die erschütternden Bilder der Zerstörung aus Beirut machen deutlich, wie verheerend die Explosion gewesen ist, die am Dienstagabend große Teile der libanesischen Hauptstadt verwüstet hat. Das kleine Land benötigt sofortige Hilfe, vor allem in Form medizinischer Unterstützung. Schon gibt es viele Angebote, internationale Retter sind unterwegs. Wir müssen uns mit der Frage struktureller Hilfen für den Libanon befassen, der als Staat selbst vor der Implosion steht.

Die Katastrophe trifft ein Land, das schon am Boden liegt. Der Libanon steckt in der schlimmsten Wirtschaftskrise seit dem Bürgerkrieg von 1975 bis 1990. Die Hälfte der Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze, mehr als jeder Dritte ist arbeitslos. In vielen Teilen des Landes gibt es tagelang keinen Strom mehr. Zustände, für die eine völlig korrupte politische Kaste verantwortlich ist, die einstige „Schweiz des Nahen Ostens“ in den Ruin gewirtschaftet hat. Seit Monaten regt sich Protest gegen diese Mächtigen, der – und das ist revolutionär für die seit Jahrzehnten streng entlang von Konfessionsgruppen organisierte libanesische Gesellschaft – erstmals auch die religiösen Grenzen zwischen den Menschen verschwimmen lässt.

Doch nun ist die Gefahr groß, dass die Explosion zum endgültigen Bankrott des Landes und damit zum völligen Zerfall der öffentlichen Ordnung führt. Die vom Iran finanzierte islamistische Hisbollah, die im Libanon längst einen Staat im Staate gebildet hat, könnte versucht sein, die Macht vollständig an sich zu reißen. Aus dem Libanon drohte dann, ein zweites Syrien zu werden – mit potenziell fatalen Folgen für die Region, aber auch für Europa. Was es bedeutet, sich auf die Rolle des unbeteiligten Zuschauers zurückzuziehen, das sollten wir inzwischen begriffen haben.