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Kommentar zur VHS in Bonn: Stadt fällt aus dem Rahmen

Kommentar zur VHS in Bonn : Stadt fällt aus dem Rahmen

Die Stadt Bonn zahlt den VHS-Aushilfen kein Geld mehr. Mitten im warmen April weht ein unterkühlter Luftstrom sozialer Kälte aus dem Stadthaus. Das sollte nicht Schule machen. Ein Kommentar.

Niemand solle zurückbleiben in der gegenwärtigen Ausnahmesituation. Die Worte der Bundes- und Landespolitiker waren vollmundig, als sie vor drei Wochen den Stillstand von Wirtschaft und Bildungswesen anordneten. Die Bürger haben ihnen vertraut und sich fast ausnahmslos an die Einschränkungen gehalten. Auch viele Unternehmen haben sich nach Kräften bemüht, die Krise gemeinsam mit ihren Mitarbeitern zu überstehen. Kurzarbeitergeld wurde aufgestockt, Urlaub und Überstunden für Familien großzügig gehandhabt. Für manchen Beschäftigten waren die Wochen im Homeoffice eine ganz neue, oft positive Erfahrung.

Da fällt die Stadt Bonn schon ein wenig aus dem Rahmen, wenn sie sang- und klanglos teils langjährige Aushilfen einfach vor die Tür setzt. Der rechtliche Standpunkt ist nachvollziehbar. Schließlich müssen die Steuerzahler für alles aufkommen, was die Kommune ausgibt. Wer mehr Geld für diese und jene Gruppe fordert, der muss auch dazu sagen, wer das bezahlen soll. Andererseits sollte eine Kommunalverwaltung als kleinste Untergliederung des Staates doch gerade in Ausnahmesituationen eher mit gutem Beispiel vorangehen.

Warum sucht man nicht wenigstens aktiv das Gespräch mit den Betroffenen? Warum gibt es keine Übergangslösung oder anderweitige Beschäftigung? Zumal ja gar nicht absehbar ist, wie lange der Honorarausfall andauern soll. Mitten im warmen April weht ein unterkühlter Luftstrom sozialer Kälte aus dem Stadthaus. Das sollte nicht Schule machen. Sonst werden die Bürger auch in Bonn bei einer zweiten Infektionswelle kaum wieder derart rücksichtsvoll auf eine angeordnete Unterbrechung des Wirtschaftslebens und elementarer Grundrechte reagieren.