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Kommentar zu Thomas Cook: Stiller Skandal

Kommentar zu Thomas Cook : Stiller Skandal

Erst ein kleiner Teil des Schadens ist bisher reguliert. Die Bundesregierung bereitet erst ein Verfahren vor, mit dem der Bund bei nicht gedeckten Forderungen der Reisenden einspringen kann. Um einen Skandal in ähnlicher Größenordnung verdächtig still, kommentiert GA-Korrespondent Wolfgang Mulke.

In der Politik und den Medien wird mit zweierlei Maß gemessen. Die von Verkehrsminister Andreas Scheuer vermasselten Mautpläne machen nach wie vor viel Wirbel. Akribisch wird der Vorgang von einem Untersuchungsausschuss unter die Lupe genommen. Der Verlust eines dreistelligen Millionenbetrags für den Steuerzahler durch Schadenersatzleistungen an die Betreiberfirmen können den Minister am Ende den Job kosten.

Auf der anderen Seite bleibt es rund um einen Skandal in ähnlicher Größenordnung verdächtig still. Für Entschädigungen an Kunden des insolventen Reiseveranstalters Thomas Cook wird der Steuerzahler ebenfalls zur Kasse gebeten. 225 Millionen Euro wird das wohl kosten. Doch über eine Suche nach den Schuldigen für das politische Missmanagement oder gar Folgen für das verantwortliche Personal ist nichts zu hören. Dabei liegt hier die gesetzgeberische Schlamperei offen auf dem Tisch. Die EU hat eine volle Absicherung der Insolvenzschäden vorgeschrieben, die Bundesregierung eine viel zu geringe Versicherungssumme zugelassen. Es wäre interessant zu wissen, wer warum auf Seiten der Regierung so ins Risiko gegangen ist, oder wer sich schlicht bei der Risikoeinschätzung verkalkuliert hat.

Doch diese Fragen wird ungern gestellt, weil sie von den Hundertausenden Opfern der Pleite und den vielen Millionen, die mit ihnen fühlen, falsch verstanden werden könnte. Sie könnten annehmen, dass die Politik sie auf ihren Schäden sitzen lassen wolle. Doch es geht darum zu verhindern, dass private Risiken auf die Steuerzahler abgewälzt werden. Dazu bedarf es der Aufklärung der Fehler und den Konsequenzen daraus.