Kommentar Streik im öffentlichen Dienst - Notwendiges Übel

Alle Räder stehen still, wenn unser starker Arm es will: Über diesen Merksatz aus dem gewerkschaftlichen Poesiealbum können heute viele Pendler oder Eltern von Kita-Kindern nicht lächeln.

Mit dem Warnstreik legen Verdi und Co. einen Teil des öffentlichen Lebens lahm - nicht nur in Bonn und der Region, sondern in vielen Teilen von NRW und in anderen Bundesländern. Die Folgen: nervenzerrende Staus, weil der Berufsverkehr sich von bestreikten Bussen und Bahnen auf die Straßen verlagerte, geschlossene Kitas, volle Mülltonnen, ungemachte Klinikbetten.

Der starke Arm der Gewerkschaften: Wird im öffentlichen Dienst über Löhne und Gehälter verhandelt, wird er, im Gegensatz zu anderen Branchen, für viele Menschen unmittelbar erfahrbar, oft mit ärgerlichen und manchmal mit ernsten Folgen. Wer eine Abmahnung kassiert, weil er wegen der Arbeitskämpfe zu spät zur Arbeit erscheint, der wird den Anliegen der Streikenden wenig Sympathie entgegenbringen.

Dabei sollte nicht vergessen werden, dass Streiks ein nicht nur legitimes Mittel sind, die Interessen der Beschäftigten durchzusetzen. Sie sind, wenn es hart auf hart kommt, auch das schärfste Schwert der Gewerkschaften. Ohne die Möglichkeit des Arbeitskampfs wäre es ihnen unmöglich, angemessene Lohnerhöhungen oder Rahmentarifverträge auszuhandeln, von denen immer noch die Mehrzahl der Arbeitnehmer profitiert. Staus und geschlossene Kitas sind für die Betroffenen gewiss ein Übel, aber genauso gewiss ein notwendiges Übel.

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