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Kommentar zu Urlaubsrückkehrern: Tests notwendig

Kommentar zu Urlaubsrückkehrern : Tests notwendig

Weder Flughäfen noch Bahnhöfe noch die Grenzstationen an den Autobahnen sind darauf vorbereitet, massenhaft und schnell Urlauber auf das Coronavirus zu testen. Dabei wären solche Tests sinnvoll, kommentiert unsere Autorin.

Bei dem Durcheinander um die Tests für Reiserückkehrer muss man den Eindruck gewinnen, als käme das Ende der Urlaubssaison überraschend. Weder Flughäfen noch Bahnhöfe noch die Grenzstationen an den Autobahnen sind darauf vorbereitet, massenhaft und schnell Urlauber auf das Coronavirus zu testen. Dabei wären solche Tests sinnvoll.

Den Urlaubern – zumindest denen, die aus sogenannten Nicht-Risiko-Gebieten zurückkehren – ist kein Vorwurf zu machen, wenn sie nun die Arztpraxen stürmen, bevor sie selbst wieder zur Arbeit gehen oder ihre Kinder zur Schule schicken.

Die Bewältigung der Rückreisewelle ist die nächste große Herausforderung für Bund, Länder und Kommunen im Kampf gegen Corona. Eine Nagelprobe wird auch die Frage sein, ob so viele Testkapazitäten vorhanden sind, wie die Verantwortlichen bislang weisgemacht haben. Daran gibt es inzwischen berechtigte Zweifel.

Das eigentliche Problem aber ist, dass nun die zweite Welle der Corona-Infektionen anläuft, während die Schulen noch gar nicht geöffnet haben. Die zweite Welle haben all jene zu verantworten, die im Sommer sorglos in Gruppen gefeiert, eng sitzend in Restaurants gesessen und schlampig oder gar nicht Maske getragen haben. Kurzum: Weil sich  ein zu großer Teil der Gesellschaft in den vergangenen Wochen verhalten hat, als sei die Corona-Gefahr schon vorüber, müssen die Schülerinnen und Schüler nun in NRW im Unterricht Maske tragen. Es ist notwendig, dass jeder Einzelne – auch jenseits Bußgeld bewährter Regelungen – Rücksicht nimmt und aufpasst, sich und andere nicht anzustecken. Der Schlüssel zur Bewältigung der Corona-Krise ist Solidarität.

Diese Erkenntnis enthebt die Politik aber nicht von ihrer Verantwortung, klare Leitlinien vorzugeben und diese von den Ordnungsbehörden umsetzen zu lassen. Im Gegenteil: Dass auch das neue Schuljahr holperig beginnt und bei den Urlaubsrückkehrern Verunsicherung und Chaos herrschen, ist einer fehlenden vorausschauenden politischen Planung zuzuschreiben. Auch die Regierung ist in den vergangenen Wochen zu wurstig geworden. Das Corona-Kabinett tagt nicht mehr, gemeinsame Sitzungen mit den Kommunen wurden verschoben, zwischen Bund und Ländern herrscht in Sachen Corona-Kommunikation weitgehend Funkstille. Es bedarf aber eines längeren Atem, um im Kampf gegen Corona erfolgreich zu bleiben.