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Kommentar zum Müllproblem: Trend verschlafen

Kommentar zum Müllproblem : Trend verschlafen

Städte und Gemeinden haben längst ein Müllproblem. Die Umweltpolitik hat zu lange gebraucht, dem „To-Go“-Trend beim Kaffee oder bei den Essensverpackungen entgegenzuwirken, kommentiert Jan Drebes.

Die Parks geben im Sommer mitunter ein schlimmes Bild ab. Abfallbehälter sind überfüllt, Einweggrills, Aluschalen, Plastiktüten, Becher und anderer Unrat liegt daneben. Die Krähen machen sich darüber her, die Stadtreinigung kommt in vielen Kommunen nicht nach mit der Entsorgung. Doch nicht nur bei schönem Wetter haben die Städte und Gemeinden längst ein Müllproblem. Die Flut an Einwegverpackungen hat die Situation im öffentlichen Stadtbild in den vergangenen Jahren deutlich verschärft. Die Umweltpolitik hat zu lange gebraucht, dem Trend des To-Go-Kaffees oder dem Mitnehmen von Speisen in Styroporverpackungen entgegenzuwirken.

Viel früher hätte es über Kosten regulierte Anreize für Mehrwegverpackungen geben müssen. Das Verbot bestimmter Plastikprodukte hilft zwar dabei, solche Stoffe zu reduzieren. Das Ausweichen auf Wegwerfverpackungen aus Pappe oder andere Materialien löst das Müllproblem jedoch auch nicht. Zumal die Wirtschaftsunternehmen, die jetzt vor falschen Maßnahmen bei der Kostenbeteiligung warnen, in einem Punkt recht haben: Der Umwelt ist nicht immer gedient, wenn Verbraucher statt zur Plastiktüte beispielsweise zu einer farbig bedruckten Papiertüte greifen, deren Ökobilanz mit Blick auf eine energie- und wasserintensive Herstellung mitunter schlechter ausfallen kann.

Grundsätzlich ist es aber richtig, die Verursacher des Mülls an den Kosten zu beteiligen, also die Verpackungshersteller. Nur so werden sie dazu gezwungen, sich mit dem Müllproblem auseinander zu setzen und innovativere Verpackungen zu produzieren. Ein Bonus- und Malussystem, das über eine Herstellerabgabe Anreize gegen Einwegplastik setzt und etwa von den Grünen gefordert wird, könnte ein guter Anstoß sein.

Entscheidend ist aber vor allem das Verhalten der Verbraucher. Wenn sie alternative Verpackungen stärker nachfragen, treibt das die Unternehmen umso mehr. Doch bis das konsequent alle machen, ist es noch ein weiter Weg. Zu bequem ist es, auf Einwegverpackungen zu setzen.

Das gilt auch für die Müllentsorgung an Straßen und in Parks. Die Menschen müssen merken, dass achtlos weggeworfener Abfall Konsequenzen für sie haben kann. Weil die Teams der Ordnungsämter, die das kontrollieren und im Zweifel Bußgelder verhängen können, aber zumeist mit anderen Aufgaben beschäftigt sind, haben Umweltsünder wenig zu befürchten.