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Kommentar zu Afghanistan: Ungeschminkt

Kommentar zu Afghanistan : Ungeschminkt

Nichts ist sicher in Afghanistan. Wenn überhaupt in dem Land am Hindukusch etwas sicher ist, dann der Zustand permanenter Krise.

Nach Jahrzehnten Krieg, Bürgerkrieg und wieder Krieg hatte die Nato mit dem Rückzug ihrer Kampftruppen Ende 2014 geglaubt (und die Afghanen hatten es gehofft), die Regierungstruppen könnten sich schrittweise alleine gegen die Taliban und deren nun offenbar unweigerliche Rückkehr behaupten.

Doch die zunächst mühelose Übernahme der Stadt Kundus durch die Religionskrieger zeigte ein anderes Bild. Die Afghanen sind weit davon entfernt, für die Sicherheit ihres Landes, wie es immer so schön angekündigt worden war, alleine zu sorgen, geschweige denn, diese zu garantieren. Damit aber sind die Nato-Partner und somit auch die Bundeswehr ebenso weit davon entfernt, Afghanistan bald verlassen zu können. Der Einsatz geht weiter, weil er weiter gehen muss, weil sonst wiederum 14 Jahre Afghanistan-Mission mit Kampf- und Kriegseinsatz und einem erheblichen Blutzoll auch auf Seiten des Westens vergeblich gewesen wären. Das ist die ungeschminkte Wahrheit, die die Bundesregierung zumindest insoweit anerkennt, als sie ihr Afghanistan-Mandat gegen andere Pläne nun wieder aufstockt.

Mit bis zu 130 deutschen Soldaten mehr in 2016 wächst der deutsche Beitrag nicht in den Himmel. Am Ende kann Afghanistan, wenn überhaupt, nur durch eine innerafghanische Aussöhnung zur Ruhe kommen. Und dies wiederum wird in einem Land der Stammeskultur nicht ohne die gemäßigten Taliban gehen.