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Kommentar zur Seilbahn-Diskussion: Unnötiges Muskelspiel

Kommentar zur Seilbahn-Diskussion : Unnötiges Muskelspiel

GA-Redakteur Holger Willcke findet, dass die Stadt Bonn bei ihren Planungen zu einer Seilbahntrasse „etwas übermotiviert“ über das Ziel hinaus geschossen ist.

Das war nicht anders zu erwarten: Stadtbaurat Helmut Wiesners Alleingang beim Thema Seilbahntrasse ist vielen Politikern übel aufgestoßen. Obwohl Vertreter von CDU, SPD, FDP und Grünen ob der Wortwahl Wiesners Schaum vorm Mund hatten, reagierten sie wegen der Bedeutung des Projekts diplomatisch, aber in der Sache unmissverständlich: Wir sind die Köche, ihr die Kellner – übersetzt: Wo die Seilbahn hält, darüber entscheidet nur die Politik.

Und über die Parteigrenzen hinweg schrieben sie dem jetzt in Urlaub befindlich Wiesner folgenden Satz ins Stammbuch: Noch ist nichts entschieden! Die Verwaltungsschelte ist somit nichts anderes als ein Befreiungsschlag der Politik, die beim Thema Seilbahn offensichtlich zu spät bemerkt hat, dass die Verwaltung den Zug schon längst aufs Gleis gestellt hat.

Dass die von vielen Seiten begehrte Seilbahn zum Streit zwischen Verwaltung und Politik geführt hat, ist eigentlich nicht erklärbar. Denn in der Sache sind sich nahezu alle einig: Eine Seilbahn hat das Potenzial die seit Jahrzehnten in Bonn verstopften Ost-West-Verkehrsachsen zu entlasten. Und noch ein Bonus käme hinzu: Das Bonner Stadtklima wäre neben den Berufspendlern und anderen Fahrgästen der nächste große Gewinner.

Es ist zu hoffen, dass sich die Wogen bis nach den Sommerferien geglättet haben und es am 11. August in der Bezirksvertretung Beuel nicht zu einem verbalen Schlagabtausch zwischen Planungsamt und Politik kommt. Denn letztlich muss festgehalten werden, dass die Stadt bezüglich der Realisierung einer Seilbahn in Bonn mächtig aufs Gaspedal gedrückt hat. Dabei leider aber etwas übermotiviert übers Ziel hinaus geschossen ist.