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Kommentar zur Rolle der CSU im Wahlkampf: Unter Schwestern

Kommentar zur Rolle der CSU im Wahlkampf : Unter Schwestern

CDU und CSU stehen vor einem Scherbenhaufen. Sie müssten gemeinsam in den Wahlkampf ziehen. Doch ob Markus Söder wirklich „ohne Groll“ hinter Armin Laschet steht, ist fraglich, findet unser Autor. Der CSU-Mann wird den Kanzlerkandidaten nicht stärker machen, als unbedingt sein muss.

Scherbenhaufen. Scherbengericht. Scherbensammeln. CDU und CSU wollen gemeinsam wahlkämpfen, nein, sie müssen. Doch eine Union sind beide Parteien derzeit nur auf dem Papier. Armin Laschets Preis der Kanzlerkandidatur ist hoch. Er geht angeschlagen in ein schweres Rennen. CDU und CSU stehen reichlich demoliert da. „Ohne Groll“ will CSU-Chef Markus Söder nach diesem selten offenen Machtkampf den gemeinsamen Kanzlerkandidat Laschet im bald aufziehenden Wahlkampf unterstützen. Ohne Groll?

Laschet muss um die Unterstützung der verärgerten kleinen Schwester CSU tatsächlich bangen. Was Söder und Gefolgsleute derzeit sagen und was sie dann im Wahlkampf für die gemeinsame Sache (erst recht für Laschet) zu tun bereit sind, steht auf einem ganz anderen Blatt. Söder vergisst nicht. Er wäre nicht der Machtmensch, der er ist, würde er Laschet stärker machen als es unbedingt sein muss. Dass CSU-Wahlkämpfer im großen Stil bereit wären, für Laschet Kilometer zu machen, ist nicht sehr wahrscheinlich. Ob sie ihn überhaupt plakatieren, muss sich noch zeigen. CSU-Vize Dorothee Bär etwa kündigte schon vielsagend an, sie werde in ihrem Wahlkreis vor allem Plakate von sich selbst aufhängen.

Laschets Problem sind auch die Umfragen. Diese Werte aber kommen und gehen. In fünf Monaten bis zur Wahl kann viel passieren. Wenn bis Juli oder August mehr als die Hälfte der Bevölkerung geimpft sein sollte (und das müsste sie), ist zumindest aus dem Corona-Kessel etwas Druck gewichen. Laschets Problem bleibt die CSU. Vielleicht wollen sie ihn im Freistaat gar nicht auftreten lassen. Söder muss und wird sich in diesem Wahlkampf nicht für Laschet aufopfern. Er hat sein Opfer schon gebracht: der Verzicht auf die Kanzlerkandidatur. Aber um Bundeskanzler zu werden, braucht Laschet auch ein sehr starkes Ergebnis der CSU in Bayern.

In der CSU werden sie mit den Fäusten in der Tasche in den Bundestagswahlkampf ziehen, den Namen Söder oft und den Namen Laschet wenig unters Volk bringen. Denn auch nach dieser Bundestagswahl wird es wieder Landtagswahlen geben. Und die CSU dürfte, wenn sie schon nicht den nächsten Kanzler stellen kann, zumindest eines im Blick haben: die Rückkehr zur absoluten Mehrheit bei der nächsten Landtagswahl 2023 mit einem Ministerpräsidenten Söder. Und dafür wiederum braucht die CSU nicht Laschet.