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Kommentar zu Corona in den Niederlanden: Unverbindlich

Kommentar zu Corona in den Niederlanden : Unverbindlich

Viele Deutsche reisen sehr gern in die Niederlande. Dort geht man verhältnismäßig locker mit der Corona-Situation um. Die Niederländer seien achtsamer und nähmen mehr Rücksicht, heißt es zur Begründung. Unser Autor bezweifelt das.

Viele Deutsche reisen sehr gern in die Niederlande. Bis zum Meer ist es nicht so weit wie hierzulande, oft gibt es einen feinen Sandstrand. Das Preis-Leistungs-Verhältnis bei den Ferienwohnungen oder anderen Urlaubsdomizilen ist zumeist in Ordnung. Auch die Atmosphäre in den oft traditionsreichen Städten stimmt und wer gern Fahrrad fährt, muss weniger rücksichtslose Autofahrer fürchten als zu Hause. Für viele ist das Nachbarland im Nordwesten das Lieblings-Ausland. Ein weiterer Grund: „Die Niederländer gehen achtsamer miteinander um und nehmen mehr Rücksicht aufeinander“, wie es ein deutscher Besucher dem GA-Reporter jüngst in Maastricht sagte.

Wer beobachtet, wie die Niederländer mit dem Coronavirus umgehen, der kann allerdings durchaus Zweifel an dieser Aussage haben. Auch wenn die Fallzahlen dramatisch angestiegen sind und das Niveau schon wieder die Hälfte der Zahlen aus den besonders problematischen Monaten März und April erreicht hat, betont Ministerpräsident Mark Rutte weiter die Eigenverantwortlichkeit der Bevölkerung. „Wir sind erwachsene Bürger in einer erwachsenen Demokratie“, sagte er neulich.

Beobachter haben allerdings den Eindruck, dass auch die staatliche Seite mehr tun könnte, um das Virus unter Kontrolle zu halten. In Restaurants stehen die Tische weiter zum Teil eng zusammen, bei Tests von Reisenden aus Risikogebieten ist weiter Freiwilligkeit Trumpf, Quarantäne-Vorschriften gibt es auch kaum und der Mund-Nasen-Schutz-Zwang gilt nur in Bussen und Bahnen, in vielen Teilen des Landes gilt dies aber nicht in Geschäften. „Die Unverbindlichkeit des Herangehens ist bemerkenswert, aber auch riskant“, kommentierte jüngst eine niederländische Zeitung. Womöglich wird die Rutte-Regierung irgendwann doch nicht um Zwangsmaßnahmen herumkommen.