1. Meinung
  2. Kommentare

Kommentar zum Führungswechsel bei der Linken: Versöhner gesucht

Kommentar zum Führungswechsel bei der Linken : Versöhner gesucht

Nach acht Jahren als Doppelspitze der Linken gehen Katja Kipping und Bernd Riexinger gemeinsam. Die neue Parteiführung muss die Linke neu aufstellen und vor allem endlich miteinander versöhnen, kommentiert unser Autor.

Katja Kipping und Bernd Riexinger sind zusammen gekommen. Jetzt gehen sie auch gemeinsam wieder. Acht Jahre haben Kipping und Riexinger als Ost-West-Doppelsitze die Partei Die Linke geführt. Sie werden nicht vergessen haben, was ein gewisser Gregor Gysi bei jenem Bundesparteitag ihrer Wahl 2012 in Göttingen den Delegierten im Angesicht des ewigen Kampfes in der Partei zugerufen hatte. Mindestens in der Linken-Bundestagsfraktion herrsche „Hass“. Die Delegierten müssten eine „kooperative Führung“ wählen, sonst drohe – wieder einmal – die Spaltung.

Auch Kipping und Riexinger, der damals mit Hilfe von Oskar Lafontaine und Sahra Wagenknecht gegen Dietmar Bartsch die Wahl gewonnen hatte, haben es in acht Jahren nicht wirklich geschafft, die Linke zu vereinen. Der Flügelstreit der Linken ging weiter. Kipping und Wagenknecht konnten sich sicher sein, in der jeweils anderen eine zuverlässige Parteifeindin zu haben. Aber es war schon ein Fortschritt aus der vergifteten Atmosphäre jenes Göttinger Parteitages wieder eine irgendwie passable Arbeitsebene zu schaffen.

Doch die Linke ist auch unter Kipping und Riexinger ihrem Ziel einer rot-rot-grünen Koalition im Bund nicht nähergekommen. Die angepeilten 15 Prozent im Bund hat die Partei deutlich verfehlt. Das Problem: Die Linke ist weiter mehrere Parteien in einer. Hier Realpolitiker, dort (vor allem in westdeutschen Landesverbänden) ideologische Hardliner, Vertreter der reinen Lehre, die sich unbelehrbar Koalitionsoptionen verbauen. Und: Die Partei nährt sich weiter vom Ost-West-Thema. Doch 30 Jahre nach der Einheit geht auch hier der Stoff langsam aus. Die neue Parteiführung muss die Linke neu aufstellen und vor allem die Partei endlich miteinander versöhnen. Aber das hatten wir schon einige Male.