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Kommentar zur Diskussion um eine neue Infektionswelle: Verstand gebrauchen

Kommentar zur Diskussion um eine neue Infektionswelle : Verstand gebrauchen

Angesichts steigender Infektionszahlen wird die Angst vor einer zweiten Corona-Welle immer größer. Wir haben es selbst in der Hand, ob die zweite Welle uns umwirft oder nicht, kommentiert GA-Chefredakteur Helge Matthiesen.

Warum müssen wir eigentlich erst wissen, ob es eine zweite Corona-Welle gibt? Wenn das Haus brennt, wartet doch auch niemand auf die Feuerwehr, die das erst amtlich feststellt und dann darum bittet, doch ins Freie zu kommen.

Jeder kann inzwischen selbst wissen, dass es nach wie vor ein  tödliches Risiko ist, an Covid19 zu erkranken. Das hat sich in den zurückliegenden Monaten nicht geändert. Jeder kann leicht erkennen, dass die Zahlen wieder steigen, weil nur Kontaktbeschränkungen die Ausbreitung verhindern. Die werden im Moment jedoch nicht eingehalten.

Wie nah das für viele inzwischen eher abstrakte Risiko ist, erleben gerade die Menschen in einem dünn besiedelten Kreis in Schleswig-Holstein. Im nahen Belgien gehen große Städte wieder in den Lockdown. Es müssen also gar nicht die Ballermann-Partys sein, damit sich das Virus wohlfühlt.

Die persönliche Konsequenz aus diesen Fakten muss jeder selbst ziehen. Doch es ist sehr klar, wenn wir in naher Zukunft raus wollen aus den Beschränkungen, aus Maskenpflicht und Abstandsgebot, dann hilft allein die Disziplin aller. Die Politik setzt nur einen Rahmen. Sie versucht, mit Corona-Tests am Flughafen das Risiko in Bahnen zu lenken. Die Verursacher dieses Risikos sind wir alle.

Die Gefahr ist durch die Urlaubsreisen vieler deutlich gewachsen. Viele pflegen inzwischen eine persönliche Haltung, die Sache gehe sie nichts mehr an. Das erhöht das Risiko weiter. Einen zweiten Lockdown, der damit wahrscheinlicher wird, hält jedoch unsere Wirtschaft nicht aus. Neben der Gesundheit geht es also auch um unseren ganz persönlichen Wohlstand. Mag sein, dass dieser Gedanke einige Menschen endlich nachdenklich macht. Wir haben es selbst in der Hand, ob die zweite Welle uns umwirft oder nicht.