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Kommentar zu Angst und Feiern in der Silvesternacht: Vertrauensfragen

Kommentar zu Angst und Feiern in der Silvesternacht : Vertrauensfragen

Die Parteien sollten aufhören, das Problem ideologisch zu diskutieren. Wir brauchen Pragmatismus, der die Sache wieder ins Lot bringt, kommentiert GA-Chefredakteur Helge Matthiesen.

Wenn die Analyse der Polizei richtig ist, dann wird zu Silvester die Angst vor Übergriffen aus Männerhorden heraus zu einem andauernden Problem für Köln, aber auch für viele andere Städte. Die Nacht, in der scheinbar alles erlaubt ist, war schon immer für Gewalttaten gut. Seit der Silvesternacht 2015 hat die Sache aber eine neue Qualität.

Man kann jetzt natürlich weiter streiten, ob die Polizei einen Fehler gemacht hat, als sie offenbar fälschlich, aber flapsig über „Nafris“ sprach, wo es doch offenbar Männer aus anderen arabischen Ländern waren, die ein Jahr später in Köln auftauchten. Man kann auch wieder ins Feld führen, dass es nicht nur arabische Männer sind, die Frauen sexuell angreifen. Alles das wird nicht helfen, denn es bleibt das Faktum einer recht klar adressierten Angst und es bleibt das Faktum einer Polizei, die eine latente Bedrohung in den Griff bekommen muss.

Wenn es in der alkoholgetränkten Anarchie einer Silvesternacht wieder fröhlich und angstfrei zugehen soll, muss das Vertrauen zurückkehren. Das ist keine leichte Aufgabe, weil es nicht einfach verordnet werden kann. Auch die Grünen können Angst und Vorurteile nicht einfach verbieten. Zwei Dinge sind nötig: Die Polizei muss Problemgruppen im Auge behalten und die Betroffenen fair behandeln. Zweitens muss mit den auffälligen Gruppen an ihrem Verhalten gearbeitet werden. So macht man es übrigens auch mit aggressiven Fußballfans. Die Parteien sollten aufhören, das Problem ideologisch zu diskutieren. Wir brauchen Pragmatismus, der die Sache wieder ins Lot bringt.