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Kommentar zu Kardinal Woelkis Warnung : Von wegen Spaltung

Kommentar zu Kardinal Woelkis Warnung : Von wegen Spaltung

Diesen Streit mag man mit Rainer Maria Kardinal Woelki für nicht zielführend halten, aber für ein Schisma würden die Wortführer nach ihrem eigenen Kirchenverständnis Bischöfe brauchen, die die erhofften Weihen spenden. Die eigentliche Kirchenspaltung findet woanders statt, kommentiert Raimund Neuss.

Einspruch, Euer Ehren. Kirchenspaltung? Selbst die radikalsten Reformer, mit denen Rainer Maria Kardinal Woelki sich da in scharfer Form auseinandersetzt, wollen doch in der katholischen Kirche bleiben. Sonst nähmen sie nicht am „Synodalen Weg“ teil. Sie wollen nicht evangelisch werden, sondern halten an den katholischen Weiheämtern fest – gerade deshalb fordern sie so eindringlich deren Öffnung für Frauen.

Diesen Streit mag man mit Woelki für nicht zielführend halten, aber für ein Schisma würden die Wortführer nach ihrem eigenen Kirchenverständnis Bischöfe brauchen, die die erhofften Weihen spenden.

Die eigentliche Kirchenspaltung findet woanders statt. Jedes Jahr wächst – bei allen Konfessionen! – das Heer der Getauften, die nicht mehr am kirchlichen Leben teilnehmen und am Ende oft auch formal ausscheiden. Selbst wenn sie persönlich gläubig sind oder zumindest christliche Werte teilen, nehmen sie am Vollzug des Glaubens nicht teil, sondern regeln ihre letzten Dinge allein. Eine Schattenkirche der abwesenden Getauften. Die Kirchen – aller Konfessionen! – reagieren darauf mit dem geordneten Rückzug. Weniger Pfarreien, weniger Gottesdienstorte, weniger Kitas.

Aber die Teilnehmer des Synodalen Weges, der halt keine Synode ist und nichts zu entscheiden hat, gehören nicht zur Schattenkirche. Sie sind mittendrin in der sichtbar organisierten Kirche und arbeiten sich an deren Interna ab: der Machtverteilung, der Rolle der Frauen, der Sexualethik, der priesterlichen Lebensform. Themen, die die Abwesenden, die abgewanderten Getauften gar nicht mehr betreffen. Es geht nur noch darum, jene auf dem Rückzug mitzunehmen, die überhaupt bleiben wollen. Das allerdings ist ebenso traurig wie eine Kirchenspaltung.