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Kommentar zur Stadthalle: Warten ist keine Option

Kommentar zur Stadthalle : Warten ist keine Option

Die Stadt hat die Bad Godesberger Stadthalle aus Sicherheitsgründen gesperrt. Bonn schafft es zum wiederholten Mal, sich beim Umgang mit Sanierungen besonders nachhaltig zu blamieren. Doch das Problem ist komplex, kommentiert unser Autor.

Wer zu spät kommt, den bestraft die marode Bausubstanz. Viele Städte ächzen unter dem Sanierungsstau ihrer eigenen Gebäude, aber Bonn schafft es zum wiederholten Mal, sich beim Umgang mit diesem Problem besonders nachhaltig zu blamieren. Das Beethoven-Jubeljahr musste leider ohne die Beethovenhalle geplant werden: Die Sanierung dauert keine zwei, sondern acht Jahre und kostet am Ende wohl 166 statt 61 Millionen Euro. Dass die Stadtverwaltung jetzt aus Sicherheitsgründen die Godesberger Stadthalle sperren musste, tut genauso weh. Sie ist, nicht nur wegen des Godesberger Programms, das die SPD dort beschlossen hat, ein Erinnerungsstück an die Bonner Republik.

Aus gutem Grund steht sie unter Denkmalschutz. Dieser Status verpflichtet Eigentümer, ein Gebäude zu pflegen und zu erhalten. Das hat die Stadt aber nicht ausreichend getan, obwohl sie den dringenden Handlungsbedarf seit zehn Jahren kennt. Erst Ende 2019 gab sie Bestandsuntersuchungen in Auftrag, um die Halle ab 2022 zu sanieren. Der gute Wille ist zwar da, allein es fehlt an Tempo und Ressourcen, um alle Gebäude zu sanieren, die es nach Jahrzehnten der Vernachlässigung nötig haben. Und so musste Bonn schon das Kurfürstenbad schließen, die Beueler Bütt für Monate außer Betrieb nehmen, die Fassaden der Oper mit Netzen sichern und die Schätze seines Archivs mit Planen gegen eindringendes Regenwasser abschirmen.

Wie komplex die Probleme inzwischen sind, zeigt das Beispiel eben jenes Stadtarchivs: Das soll seine neue Heimat in einer sanierten und erweiterten Schule finden. So sehr die Zeit auch drängt: Dieses Projekt droht, wegen hoher Risiken als nächstes Bonner Desaster zu enden und sollte noch einmal überdacht werden. Wieder will man ein denkmalgeschütztes Haus mit einem Neubau verbinden, wieder ist die Bausubstanz nicht gründlich untersucht – exakt so wie bei der Beethovenhalle.

Die Kommunen werden den Sanierungsstau, der auch Straßen und Brücken betrifft, nur bewältigen, wenn sie mehr Personal in ihren Bauverwaltungen einstellen können. Sie brauchen Ingenieure, Architekten und Manager, die auf Augenhöhe mit den großen Bauunternehmen spielen. Und sie brauchen Geld vom Bund und den Ländern. Der Corona-Schutzschirm, den Finanzminister Olaf Scholz aufspannen will, ist ein guter Anfang. Ausreichen wird das aber nicht, um die Infrastruktur der Städte zu heilen.