Was übrig bleibt: Löhne in Deutschland

Berlin · Die Wiesbadener Statistik weist auf ein Kardinalproblem bei den wirtschaftspolitischen Erwartungen für Deutschland hin: Selbst skeptische Konjunkturforscher haben in abgespeckten Prognosen stets auf die Erwartung verwiesen, dass der private Konsum der tragende Pfeiler für die weitere konjunkturelle Entwicklung sein werde. Die Zahlen aus Wiesbaden sprechen eine andere Sprache.

Das Mehreinkommen durch höhere Tarifabschlüsse wird durch die Inflation gefressen. Das schränkt die Kaufkraft zwar nur minimal ein. Aber ein langanhaltendes Konjunkturhoch lässt sich daraus nicht ableiten. Daraus ergibt sich ein neues Problem: Auch in den Reihen der Koalition wird das Verhalten der Sozialpartner, insbesondere der Gewerkschaften, gewürdigt, gesamtwirtschaftlich vertretbare Kompromisse eingegangen zu sein.

Ein paar Wissenschaftler-Statistiken verändern zwar nicht die tarifpolitische Landschaft. Aber die Bescheidenheit nimmt ab: So will die IG Metall 6,5 Prozent mehr Lohn durchsetzen. Das kann man als Maßlosigkeit abtun, die in der Tarifauseinandersetzung auf Normalmaß gestutzt wird. Nur steht die Forderung der Metall-Gewerkschafter symbolisch für ein höheres materielles Anspruchsdenken innerhalb der Arbeitnehmerschaft, die über mehrere Jahre hinweg ein reales Minus in ihrem Geldbeutel registrieren musste. Voluminöse Abschlüsse treiben aber die Kosten in die Höhe und vermindern nationale und internationale Wettbewerbsfähigkeit. Die Tarifkonflikte werden an Schärfe zunehmen.

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