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Kommentar zum Lockdown in Gütersloh: Widersprüche

Kommentar zum Lockdown in Gütersloh : Widersprüche

Die Verantwortlichen haben mehrere Tage lang gezögert. Jetzt müssen sich die Bürger in den Kreisen Gütersloh und Warendorf doch für mindestens eine Woche einschränken. Warum wurde nicht schneller durchgegriffen? Ein Kommentar.

Nun also doch. Nachdem die Verantwortlichen mehrere Tage lang gezögert haben, müssen sich die Bürger in den Kreisen Gütersloh und Warendorf für mindestens eine Woche einschränken. Kino- und Museumsbesuch sind gestrichen, Bars und Kneipen schließen, die Kontaktbeschränkungen greifen wieder. Schulen und Kitas waren in Gütersloh ohnehin schon geschlossen, in Warendorf sind sie es ab Donnerstag.

Es ist ein Problem, dass der Beschluss der Ministerpräsidenten mit der Kanzlerin eine Konsequenz vorgaukelt, die es nicht gibt. Sollte ein Ausbruch innerhalb einer Woche die Zahl von 50 Neuinfizierten pro 100.000 Einwohner überschreiten, werde es Beschränkungen geben, hieß es. Doch mit dem Einschub, wenn sich ein Ausbruch lokalisieren lasse, könne man auch nur in der betroffenen Einrichtung reagieren, wird die Regel komplizierter.

Die NRW-Landesregierung hat sich in den vergangenen Tagen genau mit dieser Argumentation in Widersprüche verstrickt. Sie hat einerseits von einem lokalisierbaren Ereignis bei der Firma Tönnies gesprochen. Zugleich hat der Ministerpräsident aber schon am Freitag darauf hingewiesen, die verstreute Unterbringung der Werkvertragsarbeiter der Firma Tönnies berge ein großes Pandemie-Risiko. Und er sprach vom größten, nie dagewesenen Infektionsgeschehen in NRW.

Deshalb ist die Frage berechtigt, warum nicht schneller und entschiedener durchgegriffen wurde. Die Argumentation der Landesregierung: Man habe im März ja auch zuerst die Schulen und Kitas geschlossen und erst später weitere Maßnahmen ergriffen. Was nach „bewährtem Rezept“ klingen soll, erweckt nur leider den Eindruck, als habe sich die Welt seitdem nicht weitergedreht und man nichts dazugelernt.