Kommentar Wladimir Putin - Schulterschluss

Der Westen tut sich häufig schwer, mit einer Stimme zu sprechen. Unterschiedliche Akzentuierungen auf den jeweiligen Problemfeldern und der notorische Profilierungsbedarf, der fast allen Staats- und Regierungschefs in Demokratien eigen ist, verhindern oft einen wirksamen Auftritt der EU, aber auch der Nato-Staaten.

Im Konflikt mit Russland kann von dieser Vielstimmigkeit, die leicht als Unstimmigkeit interpretiert werden kann, nicht die Rede sein. Die EU- und Nato-Staaten suchen den Schulterschluss gegen Kreml-Chef Wladimir Putin. Der entschlossene Gegner im Ringen um die Zukunft der Ukraine zwingt Europäer und Nato-Staaten zusammen.

Putin hat diese ungewohnte Einigkeit offenbar unterschätzt. Falls er nicht einlenkt, wird er in der kommenden Woche mit weiteren EU-Sanktionen gegen sein Land konfrontiert. Die Nato signalisiert durch eine Reihe von militärischen Maßnahmen, wie ernst sie den Ukraine-Konflikt nimmt.

Mit einer Klarheit, die sie bei innenpolitischen Themen oft vermissen lässt, positioniert sich Bundeskanzlerin Angela Merkel. Mit dem polnischen Premier Donald Tusk verband sie schon vor der Krise ein starkes politisches Band. Dass sie nun dem wegen seiner Nachbarschaft zur Ukraine und dem spezifischen Misstrauen gegen Russland besonders exponierten Polen demonstrativ den Rücken stärkt, dürfte das oft schwierige Verhältnis zum großen westlichen Nachbarn langfristig verbessern. Umgekehrt sollte Deutschland Polen endlich als den wichtigen strategischen Partner wertschätzen, der er ist.

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