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Kommentar zu Folgerungen aus der Katastrophe: Zeichen der Hoffnung

Kommentar zu Folgerungen aus der Katastrophe : Zeichen der Hoffnung

Die ersten Tage der Katastrophenhilfe machen Hoffnung, dass es an Ahr, Swist und Erft wieder besser wird. Niemand kann solche Katastrophen verhindern. Aber wir können uns besser vorbereiten und wir können helfen, kommentiert Helge Matthiesen.

Es wird jetzt viel über Klimaschutz gesprochen und dass da endlich etwas geschehen müsse. Das ist sicher richtig. Es gibt jedoch ein paar sehr viel naheliegendere Probleme, die das Hochwasser und seine Folgen offengelegt haben. Wir sind ganz praktisch auf solche Vorgänge gar nicht mehr eingerichtet und das kostet Menschenleben.

Das Problem ist viel größer als noch vor 30 Jahren. Wir haben viel mehr alte Menschen, die Hilfe brauchen, als junge Menschen, die anderen helfen können. In den Dörfern sind die eigenen Möglichkeiten beschränkt, denn Landwirte oder Betriebe mit schweren Maschinen gibt es immer weniger. Die Zahl der Pflegestationen hat dagegen zugenommen.

Alle sprechen von Digitalisierung, von Internet und smarten Warnketten. Doch wenn es so weit ist, fällt der Strom aus und es funktioniert gar nichts mehr. Einige Tausend Menschen sitzen ohne Information und ohne Möglichkeit, Hilfe zu rufen, in ihren Häusern. Noch nicht einmal die Rettungsmannschaften haben eine Chance, ihre Arbeit zu koordinieren – von den üblichen Funklöchern gar nicht zu sprechen. Die vorhandene Technik ist gut für schönes Wetter und sorglose Tage. Sie ist jedoch offenkundig viel zu störanfällig. Hier muss die Politik schnell handeln.

Auch die Warnungen haben trotz digitaler Hochrüstung nicht funktioniert. Die Katastrophe ist sehr schnell über die Orte hereingebrochen. Doch es gilt zu klären, ob hier alle Möglichkeiten ausgeschöpft waren. Bevor das Wasser kam, hat es ein paar Stunden geregnet. Es war also wenigstens ein bisschen Zeit, sich vorzubereiten.

Wir brauchen dafür eine verlässliche und für alle verbindliche Warninfrastruktur auch für solche Ereignisse. Vor Jahren waren das die Sirenen. Heute weiß so recht niemand mehr, wonach er sich richten soll. So verhalten sich die Menschen dann auch. Sie reagieren kopflos und desorientiert, sie achten nicht auf freundliche Hinweise oder irgendwelche App-Warnungen. Davon gibt es in jeder Hinsicht einfach zu viele und vor allem zu viele falsche. Wer nur noch digital unterwegs ist, kann es gar nicht fassen, wenn die Wirklichkeit zuschlägt.

Hier muss mehr Klarheit ins System und es muss im Zweifelsfall auch rigoroser durchgegriffen werden. Es geht nicht an, dass Menschen nach der Räumung eines Ortes schnell wieder in ihre Häuser gehen und dann aufwendig gerettet werden müssen. Jeder ist für sich selbst verantwortlich, aber auch die Helfer verdienen Respekt und dürfen nicht unnötig in Gefahr geraten.

Beeindruckend sind die Hilfsbereitschaft und die Solidarität untereinander. Viele packen mit an und arbeiten bisweilen bis an den Rand der Erschöpfung. Ganz unbekannte Menschen bekommen Quartier, die Spendenbereitschaft ist groß. Das macht Hoffnung und die werden wir weiter brauchen. Wer sich noch an die große Flut in Sachsen 2002 erinnert, weiß um den langen Atem, der für Wiederaufbau und für die Bewältigung der individuellen Notlagen nötig ist. Die ersten Tage der Katastrophenhilfe machen Hoffnung, dass es an Ahr, Swist und Erft wieder besser wird. Niemand kann solche Katastrophen verhindern. Aber wir können uns besser vorbereiten und wir können helfen.