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Kommentar zum Krisenmanagement in der Schulpolitik: Zu spät, zu dürftig

Kommentar zum Krisenmanagement in der Schulpolitik : Zu spät, zu dürftig

Die Schulen in Deutschland waren schlecht auf die Corona-Krise vorbereitet. Ein wesentlicher Grund dafür liegt in dem wenig koordinierten und verzahnten Krisenmanagement der zuständigen Ministerien und Behörden auf Bundes- und Landesebene, meint Jan Drebes.

Die Schulen in Deutschland waren schlecht auf die Corona-Krise vorbereitet und kämpfen auch nach den Sommerferien noch immer mit massiven Problemen, obwohl jetzt der Unterricht wieder richtig losgeht. Ein wesentlicher Grund dafür liegt in dem wenig koordinierten und verzahnten Krisenmanagement der zuständigen Ministerien und Behörden auf Bundes- und Landesebene. Dass am Donnerstagabend der erste Schulgipfel dieser Art im Kanzleramt stattfand, ist ein Teil des Problems.

Punkt eins: Am 11. März stufte die Weltgesundheitsorganisation die Verbreitung des Coronavirus als Pandemie ein. Zu dem Zeitpunkt war die Krise in Deutschland bereits da, die Schulen steuerten auf eine nie dagewesene Situation zu. Erst fünf Monate später hat es nun mit dem Schulgipfel ein Treffen von Kultusministerinnen und Kultusministern der Länder mit der Kanzlerin und der Bundesbildungsministerin gegeben. Das war viel zu spät und der Situation keinesfalls angemessen.

Punkt zwei: Auch SPD-Chefin Saskia Esken war bei dem Treffen im Kanzleramt dabei. Das mag zunächst kurios erscheinen, hat Esken doch keinerlei Regierungsämter oder Zuständigkeiten, die eine Teilnahme nötig machen würden. Doch sie war es, die den Gipfel gemeinsam mit Angela Merkel (CDU) bei Koalitionsgesprächen von Union und SPD angeregt hatte, nicht etwa die zuständige Ressortchefin Anja Karliczek (CDU). Das ist ein Armutszeugnis für die Bundesbildungsministerin und zeugt von einem geringen Bewusstsein für den richtigen Umgang mit einer nationalen Krise, auch wenn Bildung zunächst klassische Länderhoheit ist.

Punkt drei: Weil das Treffen von vornherein als „informell“ eingestuft war und mit sieben Landesvertretungen nicht beschlussfähig war, ist das Ergebnis peinlich dürftig. Dienstlaptops für Lehrkräfte und ein günstiger Internetanschluss für mobile Endgeräte von Schülerinnen und Schüler seien die Ziele. Was fehlt: Zusagen der Telekommunikationsanbieter, bestimmte Summen, die der Bund bereitstellen will, Wege der Finanzierung. Zumal diese beiden Ziele in einem reichen Industrieland mit völlig veralteter Bildungsinfrastruktur auch ohne Corona-Krise längst hätten erreicht sein müssen.

Unterm Strich bleibt der erste Schulgipfel in einer seit fünf Monaten wütenden Pandemie damit ohne konkrete Ergebnisse. Angesichts völlig verunsicherter Lehrkräfte, Schulleitungen, Eltern- und Schülerschaft ist das inakzeptabel.