Kommentar zu den Telekom Baskets : Zu viel Risiko

Nach der Niederlage gegen Hamburg stecken die Telekom Baskets in der Krise. Die Bonner haben zwei entscheidende Fehler gemacht, die schließlich zu dieser Krise geführt haben, meint GA-Redakteurin Tanja Schneider.

Heimat, Herzblut, #HEARTberg – am zweiten Weihnachtstag war das Credo der Telekom Baskets Bonn kaum noch mehr als eine Phrase. Auf dem Feld – und auf den Rängen. Alarmierend. Spätestens da dürften auch die letzten Alarmglocken in der Chefetage des Basketball-Bundesligisten geschrillt haben.

Präsident Wolfgang Wiedlich und die Entscheider um ihn herum haben sich vor der Saison entschieden, neue Wege zu gehen, in dem Wissen, dass sie holprig werden könnten. Das Verpassen der Playoffs war womöglich als GAU eingepreist, der Abstiegskampf aber unvorstellbar. Der Basketball-Bundesligist forderte Geduld vom Umfeld – und musste in dieser Angelegenheit entsprechend mit gutem Beispiel vorangehen und Trainer Thomas Päch und sein Team trotz der Rückschläge mit Rückendeckung arbeiten lassen. Geduld fängt erst da an, wo es weh tut. Dieses Vertrauen zu schenken, wenn es dringend nötig ist, ist eine Gratwanderung.

Die Baskets haben zwei entscheidende Fehler gemacht. Für einen derart gewaltigen Umbruch haben sie sich zu wenig gegen die Risiken, die sie eingingen, abgesichert. Der Kader hätte von Beginn an mehr Stabilität und Führungsqualitäten gebraucht – auch wenn das vielleicht nicht perfekt zum System Päch mit seinen flachen Hierarchien passt. Mit nur zehn Spielern in die Saison zu gehen, war blauäugig. Zumindest gutgläubig. Die Idee dahinter war nicht schlecht: Anders als in der Vorsaison sollte niemand im internationalen Wettbewerb aussetzen müssen. Das hatte viel Unruhe in den Kader gebracht. Bewusst hielt man Geld für gezielte Nachverpflichtungen zurück.

Dann folgte der zweite Fehler: Die Baskets waren zu lange geduldig, haben zu spät reagiert, als sich abzeichnete, dass einige Neuzugänge hinter den Erwartungen zurückblieben und die Ergebnisse im Hauptgeschäft BBL ausblieben.

Zum einen hätten sie mit einer Verstärkung vor drei oder vier Wochen deutlich bessere Chancen in den beiden nun verlorenen Kellerduellen gehabt, zum anderen wäre der Neue mit viel weniger Druck beladen worden. Jetzt wird im Grunde ein Heilsbringer erwartet. Gut, dass ihm da wohl noch ein zweiter Hoffnungsträger zur Seite gestellt werden soll, wie die Baskets in Aussicht stellen. Auch wenn beide dem Druck standhalten und mitbringen, was den Baskets fehlt, dürfte es für die Playoffs zu spät sein, für den Klassenerhalt aber noch lange nicht. Und wer weiß, was Europa noch zu bieten hat. Es lohnt sich, das Baskets-Credo wiederzubeleben.