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Kommentar zur Panne mit Corona-Tests in Bayern: Zu viel versprochen

Kommentar zur Panne mit Corona-Tests in Bayern : Zu viel versprochen

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat sich verhoben. Er hat im Kampf gegen Corona viel mehr versprochen als er halten konnte. Das ist schlimm, kommentiert Eva Quadbeck.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat sich verhoben. Er hat im Kampf gegen Corona viel mehr versprochen als er halten konnte. Das ist schlimm. Denn die infizierten Urlaubsrückkehrer, die sich im Vertrauen auf Söders markige Worte bei der Einreise nach Bayern haben testen lassen und ihre Positiv-Ergebnisse nicht zeitnah bekamen, haben das Leben Anderer gefährdet.

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass in einer solchen monatelang dauernden Krise die Verantwortlichen auch Fehler machen. Überlastung oder schlicht zu wenig Wissen über das Coronavirus sind nachvollziehbare Gründe, warum Fehler passieren. Die Geschehnisse in Bayern, die nun die ganze Republik in Atem halten, gehören aber in die Kategorie: vermeidbare Fehler. Wenn man Tests für die ganze Republik in großem Stil anbietet, muss man auch einen Gedanken darauf verschwenden, wie die Leute eigentlich an ihre Ergebnisse kommen. Dass die Tests zwei Wochen liegen geblieben sind, ist mehr als eine Panne: Das ist Regierungsversagen auf breiter Front.

Nun sollte man den Ministerpräsidenten, die seit März gegen das Virus und für die Gesundheit ihrer Bürger kämpfen, nicht unterstellen, alle Auftritte und alle Maßnahmen seien fürs Schaufenster. Aber die öffentlichen Inszenierungen von Politik dienen eben nicht nur der sachlichen Information der Bevölkerung. Sie sind auch fürs Schaufenster, wie ein Ministerpräsident zeigt, der in einem Sommer Bilder mit der Kanzlerin auf Herrenchiemsee produziert, bundesweit für sich mit dem Service von Corona-Tests für Urlaubsrückkehrer werben will und auch noch im Norden der Republik Wattwandern möchte  - als wolle er sagen: Ich kann ganz Deutschland. Den letzten Beweis ist er schuldig geblieben.