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Kommentar zum Merkel-Besuch in NRW: Zurück im Rennen

Kommentar zum Merkel-Besuch in NRW : Zurück im Rennen

Der Besuch der Kanzlerin in NRW war für Armin Laschet ein guter Tag in einem weiter offenen Rennen. Die bewusst zurückhaltende Inszenierung als „Arbeitsbesuch“ dürfte dem Geschmack vieler Bürger entsprechen, kommentiert unsere Autorin.

Die Union steckt in dem Dilemma, dass es für das Erbe Merkels keinen klaren Favoriten gibt. Deshalb steht jede Bewegung, jeder gelungene Auftritt, jede Panne der möglichen Kanzlerkandidaten unter verschärfter Beobachtung. In einer Zeit, in der es nur noch wenige politische Gewissheiten gibt und eine Pandemie jederzeit alles auf den Kopf stellen kann, zählt die Tagesform, zählt der Augenblick.

In der Machtfrage war die Union schon immer eisenhart: Aufgestellt wird derjenige, der die größten Chancen hat, das Kanzleramt zu holen. Wenn die CDU nur einen schwachen Kandidaten aufzubieten hat, zeigt die CSU auf. So war es 1980 und 2002. Armin Laschet steht also unter dem Druck, dass er nicht nur das parteiinterne Rennen gegen Friedrich Merz und Norbert Röttgen gewinnen muss, er muss am Ende auch ein starker Kandidat sein. Davon ist er ein gutes Stück entfernt.

Der Besuch der Kanzlerin in NRW war für Laschet ein guter Tag in einem weiter offenen Rennen. Die bewusst zurückhaltende Inszenierung als „Arbeitsbesuch“ dürfte dem Geschmack vieler Bürger mehr entsprechen als kürzlich der royale Auftritt des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder. Für Laschet war insbesondere der Schulterschluss mit der Kanzlerin ein wichtiges Signal. War Laschet über Jahre der Politiker in der Union, der von allen im Feld stehenden Konkurrenten Merkel inhaltlich und politisch immer am nächsten war, gab es im Kampf gegen Corona Differenzen. Am Dienstag in Düsseldorf herrschte Einigkeit. Merkel stützte die Maskenpflicht im Unterricht und lobte das Regierungshandwerk des NRW-Ministerpräsidenten. Damit hat sie sich für ihre Verhältnisse in der Frage, wer ihr politisches Erbe in der Union antreten soll, schon ziemlich weit aus dem Fenster gelehnt.