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Kommentar zum Flugzeugabsturz im Iran: Propagandakrieg

Kommentar zum Flugzeugabsturz im Iran : Propagandakrieg

Die Wahrheit wird möglicherweise nie ans Licht kommen. Das Misstrauen zwischen dem Iran und den westlichen Staaten wird durch den Verdacht, die Iraner könnten das Flugzeug abgeschossen haben, noch tiefer, als es vorher bereits war, kommentiert Thomas Seibert.

Nach dem Tod von 176 Menschen bei dem Flugzeugabsturz im Iran beginnt ein Propagandakrieg zwischen dem Regime in Teheran und dem Westen. Die Iraner werden alles tun, um Vorwürfe aus den USA und Kanada zu entkräften, dass ihre Luftabwehr das Flugzeug versehentlich abgeschossen hat.

Auf der anderen Seite werden Iran-feindliche Hardliner, besonders in Washington, nichts unversucht lassen, um die Mullah-Regierung als menschenverachtendes Regime hinzustellen, dem nicht zu trauen ist. Die Wahrheit wird möglicherweise nie ans Licht kommen. Die Forderung der EU nach einer „glaubwürdigen“ Untersuchung ist ein frommer Wunsch. Die Hinterbliebenen haben aber ein Recht darauf, zu erfahren, was mit ihren Verwandten und Freunden geschehen ist und wer die Verantwortung dafür trägt.

Das Misstrauen zwischen dem Iran und den westlichen Staaten wird durch den Verdacht, die Iraner könnten das Flugzeug abgeschossen haben, jedenfalls noch tiefer, als es vorher bereits war. US-Medienberichte, wonach iranische Behörden vor der Ankunft internationaler Experten alle Trümmerteile von der Absturzstelle bei Teheran entfernten, verstärken im Westen den Verdacht, dass der Iran etwas zu verbergen hat. Auf der anderen Seite haben amerikanische und kanadische Geheimdienstler bisher keine Beweise für ihre These eines Raketentreffers auf das Verkehrsflugzeug vorgelegt.

 Für politische Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA fehlt jede Grundlage. Eine Woche nach dem US-Mordanschlag auf den iranischen General Soleimani ist das Risiko eines neuen Krieges im Nahen Osten trotz aller Bemühungen um Deeskalation nach wie vor hoch. Auch die Tragödie von Teheran kann nichts daran ändern.