Mit 95 Jahren starb die Robinsonfrau auf Floreana

Mit 95 Jahren starb die Robinsonfrau auf Floreana

Ecuador - Auf Galapagos-Inseln fand die berühmte Bonnerin Margret Wittmer 1932 nach vielen Mühen ihren Garten Eden - 1992 mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt - Sohn Rolf kam in einer Seeräuberhöhle zur Welt

Die berühmte Bonnerin Margret Wittmer ist tot. Sie starb im Alter von 95 Jahren auf Floreana, einer Insel die zum Galapagos-Archipel gehört. Es gibt kein Paradies auf Erden. Das Paradies schafft sich jeder selber - oder die Hölle. Die dies sagt, hat ihren Garten Eden gefunden und den Teufel vertrieben.

Margret Wittmer wurde in Köln geboren. Sie hat ihre Jugend in Bonn verbracht. Seit 1932 lebte sie mit ihrem Mann Heinz, der Sekretär bei Konrad Adenauer war, und Sohn Harry auf einer fast unbewohnten Insel: Am Ende der Welt, auf Floreana fand sie eine neue Heimat. 1 000 Kilometer vom Festland entfernt liegen die 18 Galapagos-Inseln, von denen nur drei bewohnt sind; sie gehören zu Ecuador.

Auf der zwanzig mal zwanzig Kilometer großen Insel Floreana lebten die Wittmers wie die ersten Menschen in einer alten Seeräuberhöhle mit einer kleinen Quelle, wo auch Sohn Rolf 1933 zur Welt kam. Der Berliner Zahnarzt Dr. Friedrich Ritter, ein Naturapostel, und seine Freundin waren die Ersten auf dieser verwilderten Insel, die nur durch die Posttonne mit der Außenwelt verbunden war.

Seltsam, 1934 starb der Vegetarier Dr. Ritter an einer Fleischvergiftung. 1933 tauchte plötzlich eine lebens- und machthungrige Dame mit zwei Männern auf, die sich als Baronin Wagner-Bousquel vorstellte, und sich zur Kaiserin von Galapagos ernannt hatte, auf. Damit war der Friede im "Garten Eden" zerstört. Die Baronin und der Liebhaber Philpson waren auf einmal verschwunden und den anderen Liebhaber, der Lorenz hieß, fand man im Dezember 1934 tot am Strand der Nachbarinsel Marchena. Diese Galapagos-Affäre sorgte damals in der internationalen Presse für Schlagzeilen. John Treherne hat einen Roman geschrieben "Verloren im Paradies", der Kriminalschriftsteller Georges Simenon schrieb über das Drama mit dem Titel "Das Geheimnis der Galapagos-Inseln".

Für die Wittmers war es ein Kampf gegen die Natur, es war härter als erwartet. Ein trostloses unwegsames Eiland und die dunklen Höhlen, das soll der Garten Eden sein? Heinz und Margret führten ein entbehrungsreiches aber glückliches Leben. 1937 kam Tochter Inge-Floreanita zur Welt. Die hat inzwischen drei Töchter, und Sohn Rolf hat auch drei Töchter und zwei Söhne. Die Bilanz der Wittmers: Zwei Kinder, acht Enkel und 15 Urenkel. Auch von Schicksalsschlägen blieben die Wittmers nicht verschont. Sohn Harry starb 1951 bei einem Unfall: Er kam von einer Angeltour nicht zurück. Heinz starb 1963 und der Schwiegersohn Mario Garcia-Castro blieb 1969 nach einem Ausritt mit seinem Pferd verschollen.

Margret war für mich Globetrotter eine besondere Frau: Ich hatte ihr Buch "Postlagernd Floreana" gelesen, und ihr Stiefbruder war ein Arbeitskollege von mir. Er erzählte viel über seine Schwester, die am Ende der Welt wohnte. Vor fünfzehn Jahren war es dann soweit. Nach einer Rundreise durch Ecuador standen die Galapagos-Inseln auf dem Programm, und ich besuchte Margret Wittmer auf Floreana.

Ein unvergesslicher Tag war diese "Bönnsche Begegnung": Mir ham nur "Bönnsch" gebubbelt und ich durfte mich ins Gästebuch mit einem Gedicht in "Bönnsch" eintragen. Margret sagte: "Ich spreche nicht nur rheinischen Dialekt, sondern noch englisch, französisch, spanisch und italienisch. Das habe ich mir hier nebenbei angeeignet. Und meinen Kindern, Enkelkindern und Urenkeln habe ich die deutsche Sprache beigebracht." Frau Wittmer kennt man in aller Welt, denn bekannte Zeitgenossen, wie US-Präsident Roosevelt, Hans Haas, Thor Heyerdahl, Graf Luckner und die Prominenz aus einigen Königshäusern waren ihre Gäste.

Auf das Leben der ungewöhnlichen Frau wurden auch andere aufmerksam. Das deutsche Fernsehen brachte eine Serie "Berühmte Frauen unserer Welt". Die erste Folge war "Omi" - wie sie überall genannt wird - gewidmet, mit dem Titel "Die Königin von Floreana". Eine deutsche Frauenzeitschrift suchte sie kurz vor ihrem 90. Geburtstag auf, brachte den Lesern auf sieben Seiten die Robinsonfrau etwas näher.

Floreana hat heute 75 Einwohner, eine kleine Schule, einen Basketballplatz und ein Auto. Die Wittmers besitzen eine kleine Pension, Hühner, Schildkröten und eine Farm mit über 70 Tieren, die von Tochter Floreanita und Einheimischen bewirtschaftet wird. Sohn Rolf fährt mit seinem Schiff "Tip-Top" durch das Pazifik-Archipel und zeigt als Kapitän den Touristen die Naturschönheiten der Galapagos. Omi ist 1982 vom ecuadorianischen Präsidenten mit der Gold-Medaille und von der Charles-Darwin-Gesellschaft mit der Bronze-Medaille geehrt worden.

Außerdem heißt der Berg, wo die Familie viele Jahre gewohnt hat, und wo sich heute die Farm befindet, "Mount Wittmer". Omi hat sich mit 91 Jahren nochmal an die Schreibmaschine gesetzt und ihr Buch zum dritten Mal bis zum Jahr 1995 vervollständigt. Das allererste Buch "Was ging auf Galapagos vor?" - 120 Seiten für eine Reichsmark - schrieb sie 1935. Nach dem Krieg folgte "Postlagernd Floreana" mit den Erlebnissen bis 1960. Dieses wurde 1982 und 1994 mit allen Ereignissen ergänzt, der Film "Satan kam nach Eden", der vor vielen Jahren gedreht wurde, ist die Geschichte der Baronin, Dr. Ritter und Margret Wittmer von Floreana.

1992 wurde ihr Lebenswerk von deutscher Seite aus mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande belohnt. Die Auszeichnung sollte ihr in Santa Cruz in feierlichem Rahmen vom deutschen Botschafter überreicht werden. "Wenn der Botschafter ein Kavalier ist, dann kommt er hierher", sagte die alte Dame. "Ich verlasse Floreana nicht mehr, sondern ich reise nur noch zum Petrus." Der Botschafter Dr. Graf von Schirnding kam zur Insel und überreichte Omi im Kreis der Wittmers die hohe Auszeichnung. Am 21. März hat die

95-Jährige ihre letzte Reise zu Petrus angetreten.