Spanien vor der WM Mit Toren gegen die Misere

MADRID · Die Stars des Katalanen-Vereins Barça und des zentralspanischen Rivalen Real Madrid kämpfen Schulter an Schulter für die Nation. "Das ist doch das Schöne", sagt Manuel López. "Für ein paar Tage können wir alle Sorgen vergessen."

Wenn Spaniens gebeuteltes Volk irgendetwas dringend braucht, dann ist es ein Erfolgserlebnis. Jobkrise, wachsende Armut und Korruptionsskandale allerorten: "Worauf sollen wir noch stolz sein, wenn nicht auf unsere Fußballsiege", sagt Manuel López, der fest daran glaubt, dass der spanischen "Selección" das Wunder gelingen wird, den 2010 in Südafrika errungenen WM-Titel zu verteidigen.

"Wir kämpfen mit Toren gegen die Misere", meint der Madrider Familienvater, der sich in diesen Wochen schon mehrmals stolz an die Fußballbrust klopfen konnte: Real Madrid triumphierte in der Champions League. Der südspanische FC Sevilla gewann die Europa League. Jetzt fehle nur noch das WM-Glück. "Aller guten Dinge sind drei."

Wenigstens im Sport sei man Weltmacht. Auf dem Fußballrasen gebe es keine Krise. Was sich auch darin spiegelt, dass der nationale Fußballverband den Kickern eine Rekordprämie von 720 000 Euro pro Nase für den Titel versprochen hat. Das sei ja schon "ein bisschen unverhältnismäßig", findet López, viele Familien im Land müssten den Gürtel enger schnallen. "Doch wenn Spanien gewinnt, war es eine gute Investition."

Auch die drohende Spaltung der Nation, die sich im Unabhängigkeitsstreben des nordspanischen Kataloniens manifestiert, scheint zumindest beim Fußball vorübergehend überwunden: Die Stars des Katalanen-Vereins Barça und des zentralspanischen Rivalen Real Madrid kämpfen Schulter an Schulter für die Nation.

"Das ist doch das Schöne", sagt Manuel López. "Für ein paar Tage können wir alle Sorgen vergessen." Und mit jedem Titel, den Spaniens Kicker nach Hause bringen, "geben sie uns ein Stück unserer verlorenen Würde zurück".

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