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Akademisches Kunstmuseum der Uni Bonn hat nach Corona-Pause wieder geöffnet

Nur sonntags geöffnet : Kunstmuseum der Uni Bonn öffnet nach Corona-Pause wieder

Das Akademische Kunstmuseum der Bonner Universität öffnet an diesem Sonntag nach der Corona-Pause wieder – und bereitet vor der Sanierung noch einen Mega-Umzug der antiken Statuen und Reliefs vor.

Die strahlend weißen Götter, Helden, Krieger, tanzenden Faune und Sportler sind gewissermaßen auf dem Sprung. Noch in diesem Jahr sollen die rund 2700 Gipsabgüsse antiker Statuen und Reliefs und die 25 000 Originale aus Marmor, Ton, Bronze und Glas in maßgeschneiderten Transportkisten den klassizistischen Bau am Hofgarten verlassen.

Das Akademische Kunstmuseum, in dem die Antikensammlung der Bonner Universität untergebracht ist, wird wie berichtet grundlegend saniert. Und muss aus dem Grund vollständig geräumt werden. Viel Arbeit für die Kustodin Kornelia Kressirer und das Team des Museums. Seit einem Jahr laufen die Planungen für den Mega-Umzug, von dem Kressirer noch nicht abschließend weiß, wann er stattfindet und wohin er geht.

Federführend ist der Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes (BLB NRW), der zusätzliche Flächen und ein modernes Ausstellungskonzept verspricht. „Mit den Arbeiten wird voraussichtlich 2021 begonnen“, sagte Frank Buch, Pressereferent des BLB, auf Anfrage, „die Sanierungsplanungen befinden sich noch in einem sehr frühen Stadium, sodass der BLB NRW zu genauen Zeiträumen und zu den Kosten, die final erst nach Abschluss aller Baumaßnahmen feststehen werden, noch keine genauen Angaben machen kann.“ Momentan laufen, so Buch, Analysen der baulichen Substanz, damit unter anderem ein denkmalschutzgerechtes Sanierungskonzept für die Fassade erstellt werden könne.

Zeitplan noch ungewiss

Frank Rumscheid, Professor für Klassische Archäologie und Direktor des Akademischen Kunstmuseums, sagte bei einer ersten Vorstellung des Umbau-Projekts in dieser Zeitung: „Wenn die bisherigen Pläne Wirklichkeit werden, bekommt Bonn ein wunderschönes Museum mitten in der Stadt, das wir auch umfassender als bisher zugänglich machen werden.“

Ein Teil der Exponate wird für die Umbauzeit ins Depot wandern, die Highlights aber sollen in einer Ausweichstätte gezeigt werden. Die Sammlung müsse, so Kressirer, sichtbar bleiben, denn die sensationelle Bonner Abgusssammlung und die Originalfunde seien nicht alleine kunstsinnigen Bürgern vorbehalten, sondern wichtiges Anschauungsmaterial für Studenten der Bonner Universität.

Vorerst nur jeweils sonntags geöffnet

Nach der Corona-Schließung ist das Haus ab diesem Sonntag wieder geöffnet, jedoch jeweils vorerst ausschließlich sonntags zwischen 11 und 18 Uhr. Bonner Antikenfans werden die Sonntage nutzen, um sich von der Sammlung zu verabschieden. Denn spätestens im Herbst werden, so Kressirers Schätzung, die Gipse und Originale Stück für Stück verpackt.

Zuvor wird jedes Kunstwerk von Restauratoren begutachtet, auf Schäden untersucht und gegebenenfalls restauriert. Anschließend müsse der Wert der Stücke für die Versicherung ermittelt werden. Erst dann könne eine Kunstspedition den Transport organisieren. Für die ganze Aktion habe die Universität acht Teilzeitkräfte eingestellt, erzählt die Kustodin.

„Die Substanz hat es nötig“, sagt Kressirer mit Blick auf die maroden Decken, die zum Teil schon eingerüstet sind. 2018 führten schadhafte Dachbalken beim Übergang von der Abguss- zur Originalsammlung zu sieben Wochen Zwangsschließung des Hauses. Es drohte akute Einsturzgefahr – und der Verlust einer denkmalgeschützten Stuckdecke. Die beiden Fluchtwegstüren lagen in diesem Bereich.

Schätze im Dunkeln

Allein die Rotunde sei bereits weitgehend saniert (2014 bis 2016), sagt Kressirer, der Rest von Bonns ältestem Museum muss dringend erneuert werden. Doch damit nicht genug. Neben einer neuen Brandschutztechnik und Herstellung von Barrierefreiheit steht Weiteres auf dem Programm. Um modernen Ausstellungsstandards zu genügen, soll auch die Beleuchtung verbessert werden.

Etliche Partien des Gebäudes, die Kopfsäle etwa, liegen trotz Glasdächern weitgehend im Dunkeln. Geplant sei auch, die Vitrinen für die antiken Schätze vollkommen zu erneuern, was mit Blick auf den aktuellen Bestand unbedingt einleuchtet. Während auf dem Feld viel zu tun sei, werde sich wohl am Farbkonzept – das wurde mit dem Denkmalschutz abgestimmt – nichts ändern.

Kressirer wünscht sich, dass im Zuge der Sanierung auch die Seitengalerien des Museums wieder für jedermann zugänglich werden. Heute dienen sie mehr oder weniger als Abstellkammer für Hunderte Gipsstatuen. In Zukunft könnten sie an der Wand einen Einblick in die reiche Reliefkunst der Antike bieten.

Neuer Eingang

Auf die geplante neue Eingangssituation darf man gespannt sein. Denn der Eingang zum Museum soll nicht wie bisher quasi durch die Hintertür erfolgen, sondern vom Hofgarten her. Dann geht es erstmal in den Keller zu den Kassen, Garderoben und einer Schau zur Geschichte des Hauses. Und dann führt der Weg hinauf zur Antike, zu den Schätzen.

Doch das ist Zukunftsmusik. Jetzt steht ein logistisch anspruchsvoller Umzug an. Und dann der Umbau, der auf zweieinhalb bis drei Jahre geschätzt wird.

Akademisches Kunstmuseum der Uni Bonn, ab 12. Juli wieder geöffnet. Ausschließlich sonntags 11 bis 18 Uhr