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Premiere mit dem "Sommernachtstraum": Annina Euling neu im Bonner Theaterensemble

Premiere mit dem "Sommernachtstraum" : Annina Euling neu im Bonner Theaterensemble

Annina Euling ist neu im Bonner Schauspielensemble. Sie spielt die Hermia im „Sommernachtstraum“. Premiere ist am Samstag im Schauspielhaus.

Annina Euling ist Kummer gewöhnt. In Simon Solbergs „Candide“-Inszenierung im Bonner Schauspielhaus hat sie als Zofe und Paquette große, anrührende Auftritte als Opfer von physischer Gewalt. Deren Details gibt sie einmal, auf einer Schaukel sitzend, ans Publikum weiter. Am kommenden Samstag tritt sie im Schauspielhaus in Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ auf: einer von Schauspieldirektor Jens Groß eingerichteten Komödie für Kinder (ab neun Jahren), Jugendliche und Familien. Euling (27) spielt die Hermia. Sie muss damit fertig werden, dass ihr Freund Lysander, bedingt durch einen Zauber, sich Hals über Kopf in eine andere verliebt: Helena. Hermia drückt ihre Ratlosigkeit, Frustration, ihr ganzes Unglück in einem Lamento aus: „Was geschah, Geliebter? / Bin ich nicht Hermia? Seid Ihr nicht Lysander? / Ich bin so schön noch, wie ich eben war. / Ihr liebtet über Nacht mich; doch verließt Ihr / Mich über Nacht. Und muss ich also sagen / (Verhüten es die Götter!), Ihr Verließt / Im Ernste mich?“ Leider ja.

Die Inszenierung von Corinna von Rad vertraut auf die Übertragung von August Wilhelm Schlegel. „Wir halten uns sehr ans Original“, stellt Euling im Gespräch fest. Natürlich habe Bearbeiter Groß eine kindgerechte Fassung geschaffen, aber man könne dem jungen Publikum durchaus etwas zutrauen, findet die Schauspielerin. Wird's auch lustig? Kunstpause und dann die vielversprechende Auskunft: „Ich glaube schon. Ja, doch.“

Euling, in Kiel geboren, in Freiburg aufgewachsen und mit elf mit der Familie in die Schweiz gezogen, kennt sich mit Kindern und Theater aus. Als Tochter der Schauspielerin und Regisseurin Barbara Grimm, die in Solothurn wirkt, ist sie gewissermaßen erblich vorbelastet. Mit fünf wirkte sie am Theater Freiburg in der Oper „Madama Butterfly“ von Giacomo Puccini mit, als Teenager stand sie erstmals für einen Fernsehfilm vor der Kamera. Wie sich herausstellt, hat sie während der Ausbildung auch Werbetexte eingesprochen, zum Beispiel für Emmi Caffè Latte, und „Germany's Next Top Model“ anmoderiert. Nach dem Schauspielstudium an der Zürcher Hochschule der Künste hat sie sich nun für zwei Jahre ans Bonner Schauspiel gebunden. Ein schöner Zufall: Timo Kählert, ebenfalls neu im Ensemble, hat gemeinsam mit Euling in Zürich studiert. Sie ist wie geschaffen für das duale Schauspielersystem, bewegt sich geschmeidig zwischen Theater, Film und Fernsehen. Mit Erfolg. In Hannes Baumgartners Film „Der Läufer“, der Anfang Oktober mit Rekordergebnis in der Schweiz gestartet ist, spielt sie eine Hauptrolle: die Frau an der Seite eines Mörders. Der Film basiert auf Tatsachen, ist angelehnt an die Biografie des Thurgauer Spitzensportlers Mischa Ebner. Im November kommt der Film „Weglaufen geht nicht“ ins Schweizer Fernsehen. Darin spielt Annina Euling eine junge Frau im Rollstuhl.

Allen Erfolgen und Herausforderungen zum Trotz hat Euling sich eine große Lockerheit bewahrt. Und gleichzeitig eine kluge Demut. „Handwerk, dass muss man lernen“, erzählt sie über ihre Bühnenarbeit und definiert sich als aufmerksame Beobachterin der älteren Kollegen, von denen sie für ihre Entwicklung profitieren will. Der Beginn in Bonn ist ihr leichtgefallen, die erste Produktion, „Candide“ beschreibt sie als „sehr cool“. Apropos cool. Schauspieler, hält sie fest, sei ein „saucooler Beruf“.

Sie hätte sich allerdings auch ein Leben als Buchhändlerin vorstellen können. Buchläden ziehen sie magisch an: „Da verbringe ich gerne Zeit.“ Nach dem „Sommernachtstraum“ wartet Ferenc Molnárs „Liliom“ auf Euling. Premiere ist am 15. Februar 2019 im Schauspielhaus. Sie spielt die Julie: eine junge Frau, die vom Schicksal verdroschen und vom Freund, Titelfigur Liliom, verprügelt wird. Wie gesagt, Annina Euling ist Kummer gewöhnt.

Premiere„Sommernachtstraum“ am Samstag, 17. November, 18 Uhr, im Schauspielhaus. Weitere Vorstellungen am 25. November, 2., 3., 4., 9., 10., 11., 12., 16., 17., 18., 23., 26. und 30 Dezember. Die Schulvorstellungen beginnen um 10 Uhr. Karten gibt es in den Bonnticket-Shops der GA-Zweigstellen.