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Herausragendes Relief: Arp Museum hofft auf Spendenaktion für Kunstwerk

Herausragendes Relief : Arp Museum hofft auf Spendenaktion für Kunstwerk

Direktor Oliver Kornhoff will ein herausragendes Relief von Hans Arp für das Arp Museum in Rolandseck erwerben - und hat kein Geld. Eine Spendenaktion soll helfen.

Man wird ja nochmal träumen dürfen. Seit zwölf Jahren ist Oliver Kornhoff Museumsdirektor. Und erstmals ist er soweit, für ein Kunstwerk, das er gerne für sein Arp Museum hätte, aufzustehen, „zu werben, zu betteln, in die Bütt zu steigen“, wie er sagt. Und er tut es jungen Musikern gleich, die per Crowdfunding ihre erste CD finanzieren, oder Filmemachern, die über Spendenaktionen ein cineastisches Wunschprojekt auf die Beine stellen. Auch Kornhoff hat streng genommen kein Geld. Der Ankaufsetat des Hauses liegt bei null Euro. Sportlicher Ausgang für die Sammelaktion #arpsliebling. Oder wie Kornhoff es formuliert: „Traum und Albtraum zugleich.“

Galerie gibt Kulturrabatt

Denn da ist dieses wunderbare Relief von Hans Arp aus dem Jahr 1925, dessen Titel alleine schon den ganzen Witz und Charme, die Poesie Arps versprüht: „Kopf, Objekt zu melken“. Eine gute Beschreibung, sehen wir doch einen Kopf mit Augen und einer seltsamen Krone auf Goldgrund. Oder einem strubbeligen Haarschopf. Oder ist es ein umgedrehtes Euter, eine erhobene Hand, ein orangener Augenaufschlag?

Schon ist man mitten im Kosmos von Meister Arp, gefangen im surrealen Spiel um Bedeutungen und Assoziationen, um Traum, Imagination und Nonsens. Und da ist noch dieses Stoffsäckchen rechts im Bild. Ein absolutes Unikum im Werk des Künstlers. Und das Relief will Kornhoff für Rolandseck erwerben.

„Kopf, Objekt zu melken“ kam von der Londoner Galerie Omer Tiroche nach Rolandseck als Leihgabe für die große Arp-Ausstellung, die als Gegenpart zu Salvador Dalí einen wunderbaren Dialog eröffnet. Und Kornhoff sähe es gerne, wenn das umschwärmte Relief nach Ende der Schau Anfang 2021 nicht wieder nach London reiste, sondern am Rhein bliebe. Als Glanzstück für eine neue Dauerausstellung im Arp Museum.

Mithilfe eines Kulturrabattes und guter Worte konnte Kornhoff den Preis des Kunstwerks auf 735 000 Euro drücken. Das sei fair, „ein vernünftiger Preis“, befand Kornhoff nach einer eigenen gründlichen Marktanalyse. Die Gesellschaft der Freunde und Förderer des Museums ließ sich von der Begeisterung des Hausherrn anstecken und warf 60 000 Euro in den Hut, eine begeisterte Privatspenderin schoss 10 000 Euro hinterher. Soweit ungefähr der aktuelle Stand. Wohlwollende Reaktionen kamen von der Ernst von Siemens Kunststiftung. Woanders laufen Antragsverfahren. „Es ist ein langer Weg“, gesteht Kornhoff, „aber ich bin optimistisch“.

Und dann zählt er die Vorzüge von „Kopf, Objekt zu melken“ auf, diesem Werk, das fast einzigartig in Arps Gesamtœuvre ist und zudem in einem bestechenden Zustand. Ohne Frage wäre es eine große Bereicherung für die Rolandsecker Sammlung. „Es ist aus der Perspektive des Arp Museums unglaublich wichtig“, erklärt Kornhoff, „weil es nicht nur die Vergangenheit symbolisiert, sondern auch die Zukunft“.

2023 will Kornhoff mit Mitteln des Bundes eine neue Dauerausstellung einrichten, dafür wäre „Kopf, Objekt zu melken“ ein Schlüssel- und Scharnierwerk. „Wir sehen, wie radikal Arp war, das will ich erzählen und auch über das Abenteuer Ab­straktion reden.“ Arp habe die uralte Gattung Relief für die Dadaisten und die Moderne nutzbar gemacht.

Amorphe und geometrische Formen, Blattgold und Sackleinen, Ab­straktion und Figuration: In diesem Stück könne man ablesen, was in der Kunst des frühen 20. Jahrhunderts passiert sei, vor dem Hintergrund zweier Weltkriege und gesellschaftlicher Verwerfungen. Kornhoff: „Wie in einem Brennglas propagiert das Relief ‚Kopf, Objekt zu melken’ auf höchstem künstlerischen Niveau die Innovationskraft der Moderne.“

Auf der Biennale in Venedig

Auch die Geschichte des Werks ist außergewöhnlich, erzählt Kornhoff. So war „Kopf, Objekt zu melken“ bis in die 1960er Jahre im Besitz von André Breton, der nicht nur der Papst der Surrealisten war, sondern Grundlegendes zur Deutung von deren Kunst formulierte und als Erster über Arps Reliefs geschrieben hat. 1927 zum Beispiel: „Die Reliefs von Hans Arp, so schwer und so leicht wie eine Schwalbe, die sich auf einen Telegraphendraht setzt.“ 1966 starben Breton und Arp. Zuvor hatte Breton seinen Künstlerfreund Arp, von dem er „Kopf, Objekt zu melken“ offenbar einst direkt erworben hatte, gebeten, das Werk zu signieren. Arp restaurierte und retouchierte es gleich noch.

Nach Breton besaßen es die wichtigsten Sammler und Vertreter der surrealistischen Galeriengemeinde. Den Ritterschlag erhielt „Kopf, Objekt zu melken“, als es auf der Biennale 1968 in Venedig präsentiert wurde. 14 Jahre zuvor hatte Arp dort den Großen Preis bekommen.

„Ich glaube, dass ich das Geld zusammenbringe“, sagt der Museumsmann tapfer, „es geht mir aber nicht nur um die Summe Geld, sondern um die bürgerschaftliche Geste, dass in diesen Zeiten von vielen Menschen in die Zukunft investiert wird.“ Seine persönliche Deadline ist das Ende der Ausstellung im Januar 2021.

Alle Informationen zur Aktion #arpsliebling und Spendenadresse unter www.arpmuseum.org