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Arp Museum Rolandseck in Remagen zeigt Werke aus der Kunstkammer Rau

Ausstellung in Remagen : Arp Museum Rolandseck zeigt Werke aus der Kunstkammer Rau

Das Arp Museum Rolandseck in Remagen flankiert die Dalí-Ausstellung mit Werken aus der Kunstkammer Rau: „Traum und Vision“ zeigt 62 Werke von Dürer bis Brus.

Was in einem winzigen Augenblick während des Schlafs passieren kann, hat Salvador Dalí in einem wunderbaren Bild dokumentiert, das der Meister penibel so genannt hat: „Traum verursacht durch den Flug einer Biene um einen Granatapfel, eine Sekunde vor dem Aufwachen.“

Erotik und Gewalt kommen da vor, ausgestreckt liegt die nackte Gala auf einer Scholle, aus einem geradezu aufplatzenden Granatapfel und dem Rachen eines Fisches schießen zwei riesige Tiger hervor, auf die Frau zu, die zudem von einem Gewehr bedroht wird. Am Horizont flanieren Elefanten mit spinnenartigen, nicht enden wollenden Beinen vorbei. 1944 malte Dalí das relativ kleine Format mit so großer, umwerfender Wirkung. Es hängt gewöhnlich im Museo Nacional Thyssen-Bornemisza, Madrid. Im Rahmen der großartigen Dalí-Schau im Arp-Museum Bahnhof Rolandseck kann man es dort seit Mitte Februar und bis 16. August bewundern.

Die Macht der Träume, der Traum als willkommener Kontrollverlust und unerschöpfliches Bilderreservoir haben Dalí und die Surrealisten fasziniert. Doch auch Kulte und Religionen kann man sich nicht ohne die Phänomene Traum und Vision vorstellen. Ein spannedes Thema, das Kuratorin Susanne Blöcker begleitend zur Dalí-Schau in der Kunstkammer Rau ausbreitet. Mit 62 Werken von 1500 bis zur Gegenwart zeichnet sie ein Panorama, das Okkultes ebenso umfasst wie die Beschwörung böser Geister oder die christliche Offenbarung von Propheten. 17 Werke kommen aus der Sammlung Rau, der Rest von Leihgebern, darunter wunderbare Arbeiten aus der Sammlung des Kölner Psychoanalytikers Hartmut Kraft. Der hat sich sogar von einem in enger Petersburger Hängung arrangierten Tableau aus seinem Wohnzimmer getrennt, das nun 1:1 in der Kunstkammer Rau hängt. Ein Ensemble, das quasi ohne Worte erklärt, worum es in der Ausstellung geht. Es kreist um die „Versuchung des Heiligen Antonius“. Irdische Lüste und die Peinigungen durch den Teufel und seine Dämonen setzten dem frommen Mann zu.

Wilde Träume

Was Künstler dazu animierte, diese Plagen, seien es wollüstige Frauen oder düstere Monster, genüsslich auszufabulieren. Von Albrecht Dürer über Lukas Cranach, bis zu einem Nachfolger von Hieronymus Bosch und Antonius Höckelmann haben sich Künstler mehr oder weniger drastisch und deutlich mit den Versuchungen des Heiligen befasst. Das Kapitel Traum wird durch Peter Gilles’ mit Eigenblut gemalten „Traum“, Johannes Brus’ halbabstrakten „Vorhölle“, eine wunderbare Maske aus Papua-Neuguinea und ein prächtiges Exemplar aus Nigeria ergänzt, das unter dem Titel „Zeit der Tapferen“ den guten Geistern auf die Sprünge helfen soll.

„Zwischenwelten“ heißt das folgende Kapitel, in dem man die schlafende Bacchantin Gustave Courbets und in einem Memento mori aus dem 16. Jahrhundert das Christuskind sieht, das im Schlaf auf einem Totenschädel ruht. Ein gespenstischer Hinweis auf Passion und Tod. Passend dazu Brus’ Zyklus „Geistertücher“ mit durch die Luft tanzenden Tüchern. Unbedingt sehenswert sind in jedem der drei Kapitel kleine animierte Filme, die Georges Méliès zwischen 1899 und 1906 produziert hat.

Im Finale der Schau geht es um die großen Visionäre, seien es weltliche wie der großartige, 1997 gestorbene Allrounder Blalla W. Hallmann, der mit einer Büste repräsentiert wird, seien es religiöse Visionäre von Hie­ronymus und Franziskus über die Heilige Agnes bis zum Evangelisten Johannes. Man fragt sich, was diese Damen und Herren geraucht oder sonst zu sich genommen haben, dass sie so blühende Visionen hatten.

Die Ausstellungsregie belässt es hier leider bei Porträts der Pro­tagonisten, immerhin gemalt von Bernardo Strozzi, Jusepe de Ribera, Carlo Dolci oder dem Meister des Marienlebens, gebildhauert von einem Meister aus der Werkstatt von Andrea Sansovino oder Jacopo della Quercia. Die zugehörigen Visionen bleiben großteils unerwähnt. Schade. Da wäre einiges nachzutragen.

Arp Museum Bahnhof Rolandseck; bis 10. Januar 2021. Di-So 11-18 Uhr. Eröffnung: 21. Juni, 11 Uhr. auf Facebook und im News-Blog