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Zwischen Liebe und Last: Ausstellung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz in Bonn

Zwischen Liebe und Last : Ausstellung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz in Bonn

Ist das ein Denkmal oder kann das weg? Eine anregende und interaktive Ausstellung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz in Bonn öffnet die Augen für erhaltenswerte Bauten.

Stimmengewirr ganz am Anfang der „Baustelle Denkmal“: „Das braucht doch kein Mensch!“ und „Das muss erhalten werden!“ Und da stehen zwei Buzzer. Der Besucher kann entscheiden, ob für ihn ein Denkmal „Liebe“ oder „Last“ bedeutet. Es steht wenige Tage nach dem Bundesstart der Wanderausstellung 100 zu null für die Liebe. Was nicht verwundert, befinden wir uns doch im Hauptsitz der Deutschen Stiftung Denkmalschutz in der ehemaligen bayerischen Landesvertretung in der Bonner Schlegelstraße, ehemaliges Regierungsviertel. Und in der Stiftung predigt man nun mal die Liebe zum Denkmal. 

Was ist denn ein Denkmal, zum Beispiel ein denkmalgeschütztes Haus? Ist es nun unpraktisch und unzeitgemäß oder charmant und einzigartig? In sechs Stationen, die Eva Masthoff und Brigitte Golchert treffsicher in einer Baugerüst-Architektur arrangiert haben, versuchen die Kuratorinnen den Besucher vom Charme und der Einzigartigkeit von Denkmälern zu überzeugen. Was gelingt. „Liebe oder Last?! Baustelle Denkmal“ ist als Wanderausstellung in sechs Modulen auf insgesamt 200 Quadratmetern ausgelegt, nächste Station ist ab Ende September München.

Verwitterung, Korrosion, Schädlinge aller Art

Die interaktive Schau startet mit einem Brainstorming, das das Publikum einstimmen soll und von „ein Juwel“ bis „abreißen!“ reicht. Dann geht es unter dem Titel „Monument oder Patient“ um alle Widrigkeiten, die das Denkmal zur Ruine werden lassen: Verwitterung, Korrosion, Schädlinge aller Art. Man blickt dem Hausbock ins Auge, der Fachwerkbauten zu Leibe rückt, und sieht eine von Kleinstorganismen und Abgasen zerfressene Kreuzblume von Kölner Dom. Vernachlässigung durch den Menschen und ökonomische Interessen sind entscheidende Faktoren für den Verfall. Naturkatastrophen, siehe Eifel und Ahrtal, sorgen auch für eine Dezimierung des Denkmälerbestands.

An drei Fällen wird gezeigt, wie Denkmäler wie die Zeche Zollern in Dortmund, das Holstentor in Lübeck und die Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche nach langen Debatten gerettet wurden. Bei der Hedwigskathedrale in Berlin verloren die Denkmalschützer ebenso wie noch drastischer beim Alten Plenarsaal in Bonn, den der Besucher mit einem Sprengschalter symbolisch in die Luft jagen kann. 1987 wurde er in der Tat gesprengt. Die Politik und Verantwortliche für Stadtplanung stehen in diesem Kapitel der Ausstellung unter besonderer Beobachtung. Ein deutlicher Exkurs zur heftigen Debatte über das neue Denkmalschutzgesetz für NRW, das im Herbst verabschiedet wird, hätte hier gut hineingepasst. Etwas später in der Ausstellung erfährt man von der aberwitzigen Konstruktion des Denkmalschutzes in Deutschland mit 16 Ländergesetzen, erheblichen Unterschieden und einen Paragraphendschungel, der manchem Liebhaber denkmalgeschützter Immobilien den Verstand zu rauben droht. Man muss schon gute Nerven haben: Einige Unverdrossene berichten in Videos von ihrem Leben in und für eine als Denkmal eingestuftes Gebäude. Da ist viel von Leidenschaft, Herzblut Geduld und Engagement die Rede.

Jedes Gebäude hat seine Geschichte, die lässt sich an Materialien und Details ablesen, Spuren, die mitunter weit zurückreichen. Man wird in der Ausstellung auch mit uralten Handwerkstechniken konfrontiert: Ein geöffneter Handwerkskoffer ist mit Schaltern versehen. Zu jedem Gerät gibt es den passenden Film, der in die überaus faszinierende Kultur alter Handwerke führt. Jede Zeit nimmt Denkmäler anders wahr: Zwei über viele Jahrhunderte reichende Geschichten voller Wendungen und mit wechselnder Wertschätzung werden anregend geschildert – der Porta Nigra ist eine Geschichte gewidmet, dem Aachener Dom eine andere.

Was ist nun, wenn man selbst Besitzer eines Baudenkmals ist? Wer hilft, wie sieht die Förderung aus, was muss man beachten? Auch in diesem Punkt liefert die Ausstellung Antworten über Fördermodelle und Ansprechpartner. Eine Welt ohne Denkmäler? Unvorstellbar, aber in einer Simulation durch ein digitales Fernrohr als düsteres Szenario sichtbar.

Natürlich wirbt hier die Stiftung auch in eigener Sache für Denkmäler und um zahlende Mitglieder. Zuvor kann man noch ein Best-Of der Bonner Denkmäler aufstellen und den Favoriten küren. Ein schöner Anreiz, mal mit offenen Augen durch die Stadt zu gehen.