Kommentar zur Konzertabsage in Dessau Bauhaus im Abseits

Meinung | Dessau · Die Debatte rund um die Absage des Konzerts von Feine Sahne Fischfilet in Dessau überschattet die Präsentation des Programms zum Hundertjährigen des Bauhauses.

Die linke Punkband Feine Sahne Fischfilet wird vom ZDF in einen kleinen Saal des Bauhauses in Dessau eingeladen – und von der Stiftung Bauhaus wieder ausgeladen, da rechte Gruppen im Internet Stimmung gegen den Auftritt machen und Ausschreitungen befürchtet werden. Die Stimmung kocht trotzdem hoch – Künstler, Kultur- und Museumsleute kritisieren die Stiftung als „erschreckend geschichtsvergessen“.

Das Bauhaus sei ein „bewusst unpolitischer Ort“, versucht sich eine Bauhaus-Sprecherin zu rechtfertigen, die Chefin der Dessauer Institution legt nach: „Wir wollten Rechtsradikalen vor dem Bauhaus keine Plattform bieten. Zweitens ist das Bauhausgebäude eine Unesco-Weltkulturerbestätte, die eines ganz besonderen Schutzes bedarf, auch rein physisch.“

Damit steuert sie das Bauhaus in die unpolitische Ecke – und tritt das Erbe des Gründers Gropius mit Füßen: Denn das Bauhaus hat immer die ästhetische mit der gesellschaftlichen Erneuerung verknüpft, es war immer eminent politisch, was die Rechten und die Nazis auf den Plan rief. Sie vertrieben die Bauhäusler von Weimar nach Dessau und Berlin, schlossen die Institution nach der Machtergreifung 1933, verfemten etliche Bauhäusler als „entartet“, zwangen viele ins Exil.

Wenn das Bauhaus sich jetzt in seinem Welterbe-Elfenbeinturm verschanzt, vor dem rechten Mob einknickt und ausgerechnet einer jungen Band Auftrittsverbot erteilt, die sich dezidiert gegen Rassisten und Neonazis positioniert und so manchem Altersgenossen im Osten eine wertvolle Orientierungshilfe geben könnte, sendet sie Signale in die völlig falsche Richtung. Und sie verhält sich – ohne es zu wollen – auf eine fatale Weise politisch.

Das ist ein Skandal, der sich wie ein Schatten auf das Jubiläum 100 Jahre Bauhaus wirft.

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