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Jazzfest zu Gast im LVR-Landesmuseum: Beethovens Geist

Jazzfest zu Gast im LVR-Landesmuseum : Beethovens Geist

Der Pianist Frank Dupree mit seinem Trio und der Geiger Tobias Feldmann begeistern beim Jazzfest Bonn im LVR-Landesmuseum

Er ist zweifellos nicht nur ein begnadeter Entertainer, eine veritable Rampensau zumal, sondern auch ein musikalisches Chamäleon: Der Pianist Frank Dupree  (29), Preisträger des Deutschen Musikwettbewerbs 2014, hat das seltene Talent, gleichermaßen auf dem klassischen wie auf dem jazzigen Feld zu glänzen. Am Donnerstagabend im LVR Landesmuseum benötigte er allenfalls eine 15-minütige Pause, „um den Schalter umzulegen“, um von Klassik zu Jazz zu wechseln. Für Dupree eine fast akademische Frage: „Es gibt nicht Klassik oder Jazz, es geht um Musik.“ Beim Jazzfest Bonn erklärte er dem jubelnden Publikum, was er damit meint.

Mit seinem Partner Tobias Feldmann (30), der 2012 den Deutschen Musikwettbewerb gewonnen hatte, und, laut Jazzfest-Angaben mit einer Violine von Nicolò Gagliano (1769) nach Bonn gekommen war, interpretierte er Ludwig van Beethovens Sonate für Violine und Klavier Nr. 7 in c-Moll. Ein Stück für Virtuosen, das beide in stetem Blickkontakt fulminant bewältigten. Zwischen Schmelz und Attacke wechselte der Geiger, auch der Pianist spielte mit Stimmungen. Feurig wurde das Thema eingeführt und variiert, es wurde ruhig und dann wieder tänzerisch. Schließlich ein Finale mit einer kaum zu glaubenden ekstatischen Steigerung.

Von Beethoven bis Gershwin

Dupree erkannte hier schon eine vage Tendenz zum Jazz (der ja die zweite Konzerthälfte prägen sollte). Auf dem Weg dahin gab es von Feldmann und Dupree zwei wunderbare Miniaturen von John Cage, für die Dupree an das Fender Rhodes wechselte. Dann glänzten die Musiker mit fünf Nummern aus George Gershwins „Porgy and Bess“, wunderbar für Violine und Piano arrangiert von dem Geiger Sascha Heifetz. Mit Gershwin, „der jazzigste Klassiker“ (Dupree), war man schon in engster Tuchfühlung mit dem Jazz.

Gleichwohl musste Dupree in der Pause besagten Schalter umlegen, um dann einen musikalischen Kracher hinzulegen: Rockig, jazzig stimmte der Pianist sein Trio auf das zweite Set ein. Aber nicht ohne Beethoven, denn was hier kunstvoll und temporeich verjazzt wurde, war dessen berühmtes Rondo „Die Wut über den verlorenen Groschen“. Was dann kam, war ein wahrer Leckerbissen. Beethovens zweiter Satz aus der Klaviersonate, Op. 111, steht schon länger im Verdacht, ein sehr früher Vorläufer des Jazz zu sein. Dupree sieht dort als Indizien Synkopen, Off-Beat-Elemente, Anklänge an Swing und Bluesschema – allesamt Charakteristika des Jazz. Und dann spielt er das Stück, lässt nach und nach Jakob Krupp (Kontrabass) und Meinhard „Obi“ Jenne (Schlagzeug) einsteigen, erlaubt sich Freiheiten, die nicht in Beethovens Partitur stehen. Und improvisiert, dass es eine wahre Freude ist.

Neuer Termin für Nergaard und Auryn Quartett

Lässt sich das steigern? Eigentlich nicht. Doch mit Songs aus Leonard Bernsteins „West Side Story“, von Dupree meisterhaft ins Jazzidiom übersetzt und intensiv interpretiert, gelang noch ein weiterer Höhepunkt dieser hinreißenden Reise von der Klassik zum Jazz. Ein großartiger Abend, der mit Duke Ellingtons „Caravan“ den passenden Abschluss fand. Die Jazzfest-Karawane zieht weiter: mit Klaus Doldinger und dem BuJazzO am 23. Oktober im Telekom Forum, Jan Garbarek am 24. Oktober ebendort und – neuer Termin – Roger Hanschel mit dem Auryn Quartett sowie Silje Nergaard im Volksbankhaus am 4. November.