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DVD-Tipps: The Hateful Eight und Carol: Blut und Tränen

DVD-Tipps: The Hateful Eight und Carol : Blut und Tränen

Neu auf DVD: Quentin Tarantinos „The Hateful Eight“ und Todd Haynes' „Carol“. Tarantino schwächelt, und Haynes ist auf der Höhe seiner Kunst.

Das Heimkino lädt ein. Auf dem DVD-Markt sind zwei vieldiskutierte und wichtige Filme aus dem vergangenen Jahr erschienen: „The Hateful Eight“ von Quentin Tarantino und Todd Haynes' „Carol“. Ein blutrünstiger Western und eine lesbische Romanze, gegensätzlicher geht es nicht. Tarantinos Film fand ich 2015 enttäuschend, „Carol“ dagegen sehr kunstvoll und berührend. Die Wiederbegegnung im Heimkino bestätigt den ersten Eindruck. Tarantino schwächelt, und Haynes ist auf der Höhe seiner Kunst.

Die knapp drei Stunden, die der Zuschauer mit den „Hateful Eight“ verbringt, haben durchaus magische Momente. Dazu gehören Ennio Morricones Soundtrack und die atemberaubenden Schneelandschaftsaufnahmen von Kameramann Richard Richardson.

Einige der Dialoge in der kammerspielhaften Atmosphäre einer frostigen Raststätte, „Minnies's Haberdashery“, haben höchstes Tarantino-Niveau. Vieles, was geredet wird, läuft jedoch ins Leere. Mag sein, dass Quentin Tarantino sich mit seinem achten Kinofilm auserzählt hat.

Zwei Western hintereinander hat er abgeliefert, ein Genrewechsel könnte helfen.

„Glück ohne Scheitern ist wie ein schlecht geschriebenes Gedicht“, hat der Hollywood-Regisseur Douglas Sirk einmal gesagt. Das Interesse des als Detlef Sierck 1897 in Hamburg geborenen Filmemachers galt den Verlierern, verzweifelten Losern, die an ihrem eigenen Unglück auch noch selbst schuld sind. Sirks Einfluss auf Regisseure wie Rainer Werner Fassbinder war enorm, der Deutsche war süchtig nach Film-Gedichten wie „All meine Sehnsucht“ und „Was der Himmel erlaubt“.

Todd Haynes' „Dem Himmel so fern“ 2003 war eine Hommage an den Altmeister Sirk. Julianne Moore lebt in dem Film als Cathy Whitaker den amerikanischen Ehefrauen-Traum der 1950 Jahre. Doch ihr Mann Frank (Dennis Quaid) betrügt sie mit anderen Männern. Cathy fühlt sich in der Folge zu dem farbigen Gärtner Raymond (Dennis Haysbert) hingezogen. Selten sind Verzicht und Entsagung – das gilt gleichermaßen für Cathy, Frank und Raymond – mit solcher Intensität auf die Leinwand gebracht worden. Haynes vereint die Bildersprache des klassischen Melodrams mit einer modern anmutenden Distanz. Sein Pathos wirkt gebremst und besitzt doch gewaltige Wucht.

„Carol“ nach dem Roman „Salz und sein Preis“ von Patricia Highsmith ist dieser Ästhetik verpflichtet. Cate Blanchett und Rooney Mara verkörpern ein lesbisches Liebespaar in den 1950er Jahren. Blanchetts Carol lebt in einer unerfüllten Ehe mit ihrem wohlhabenden Mann Harge (Kyle Chandler). Die großbürgerliche Idylle ist ebenso brüchig wie in „Dem Himmel so fern“. Therese (Rooney Mara), die in einem Kaufhaus arbeitet, lernt Carol in der Vorweihnachtszeit kennen und fühlt sich zu der mondänen Frau hingezogen. Die Annäherung der beiden inszeniert Todd Haynes mit viel Feingefühl. Er denkt in Bildern und Symbolen, entdeckt in kleinen Gesten und scheuen Blicken großes dramatisches und emotionales Potenzial. Cate Blanchett, Rooney Mara sowie Kyle Chandler gewinnen dem Liebesverlangen, dem Beziehungsleid und der Zerrissenheit ihrer Figuren feinste Nuancen ab. Setdesign (Judy Becker) und Kameraarbeit (Ed Lachman) sind ebenso exquisit wie Carter Burwells Filmmusik.

Lachman nimmt eine elegante, untergegangene Welt auf, in der in Lokalen zum Essen geraucht und – mittags – ein Martini-Cocktail getrunken wird. Man legt noch von Hand Filme in analoge Kameras ein und bedient Telefone aus Bakelit. Der Regisseur erlaubt es dem Zuschauer allerdings nicht, sich nostalgisch in der dargestellten Vergangenheit zu verlieren. Haynes benennt in seinen Filmen die Schattenseiten der 1950er Jahre: Repression, Rassismus und Heuchelei.

Quentin Tarantino: The Hateful Eight. Universum Film. Kein nennenswertes Bonusmaterial. Todd Haynes: Carol. DCM. Gut eine Stunde Bonusmaterial, Interviews mit Regisseur und Darstellern.