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Bonn: General-Anzeiger bringt 40.000 Ausgabe heraus

Eine gewaltige Dimension : Die 40.000 Ausgabe des General-Anzeigers

Nach 40.000 gedruckten Ausgaben des General-Anzeigers wissen die Leserinnen und Leser trotz aller Veränderungen, was sie von ihrer Zeitung erwarten dürfen: Journalismus und Informationen aus Bonn und der Region für Bonn und die Region.

Die Dimension ist gewaltig: In 132 Jahren gab der Verlag des General-Anzeiger Bonn 40.000 Ausgaben heraus. 40.000 Mal setzte sich ein Räderwerk in Gang, das mit hoher Komplexität und unter Mitwirkung vieler Berufe unter Zeitdruck Informationen sammelte, bewertete, auswählte, aufbereitete, lesbar technisch auf druckfähige Unterlagen brachte, die dann auf die Rotationsmaschine kamen, die anfangs ein paar Stunden arbeitete, bis die Zeitungen sortiert und gebündelt zu den Austrägern gelangten, die sie in die Briefkästen steckten. Wenn ihre Arbeit getan war, begann die Redaktion schon wieder mit der neuen Ausgabe. 40.000 – mal zaghaft und mal mutig, mal unterhaltsam, mal belehrend, mal voller Irrtümer und mal dem Tag weit voraus. Journalismus und Informationen aus Bonn und der Region für Bonn und die Region.

Die Dimension macht bescheiden, denn in den 40.000 Ausgaben stecken zwei Weltkriege, eine komplette Zerstörung von Verlag und Druckerei, zwei Geldentwertungen, zwei Besatzungszeiten, eine Diktatur, Phasen der Freiheit und Phasen der massiven Unterdrückung, ja der Lebensgefahr. Welchen Platz nimmt eine Pandemie, wie wir sie derzeit erleben, in dieser Reihe ein?

Die Zeitung muss erscheinen, allen Widrigkeiten zum Trotz

Die Mitarbeiter des Verlages gaben nie auf, sondern bewältigten ihre Herausforderungen immer mit dem einen Ziel: Die Zeitung muss erscheinen, allen Widrigkeiten zum Trotz. Katherine Graham, Verlegerin der „Washington Post“, hat es mit dem Untergang ihrer Zeitung vor Augen auf die kurze Formel gebracht: „Wir drucken!“ Dazu gibt es keine Alternative.

Das Geschäftsmodell der gedruckten Tageszeitung ist seit einigen Jahren durch die Digitalisierung stark herausgefordert. Auflagen gingen zurück, das Anzeigengeschäft litt. Ein Problem nicht nur für die Branche, sondern für die ganze Gesellschaft, sind doch Tageszeitungen, unabhängiger Journalismus und Medienvielfalt zentrale Voraussetzungen für eine funktionierende Demokratie vom Gemeinderat bis ins Europäische Parlament. Doch wie lässt sich eine unabhängige Finanzierung und damit die Freiheit des regionalen Journalismus auf neue Beine stellen, wenn im Internet vieles umsonst ist, das früher bezahlt werden musste? Ist die 40.000 vielleicht eine der letzten runden Zahlen, die wir sehen werden? Das sind die Herausforderungen für die Zeitungsmacher von heute – für sich selbst und für die freie Gesellschaft.

GA+ wird die Zukunft der freien Presse in der Region sichern

Im vergangenen Jahr ist der General-Anzeiger Bonn bei der Erschließung neuer Möglichkeiten wichtige Schritte vorangekommen. Neben der gedruckten Zeitung gibt es seit September mit GA+ im Internet ein journalistisches Angebot, das die Zukunft der freien Presse in der Region sichern wird. Dafür hat der General-Anzeiger seine Arbeitsprozesse und die interne Organisation komplett verändert.

Die digitale Welt wird unsere Zukunft sein, auch wenn wir weiter gerne und mit Sorgfalt Zeitung machen und drucken. Bei allem bleiben wir in der Tradition: Journalismus mit hoher Qualität aus und für die Region. Der Weg zu den Lesern, ob digital oder gedruckt, ist nicht mehr entscheidend. Jeder bekommt die Informationen auf dem Weg, der am besten in sein Leben passt: Die meisten bevorzugen inzwischen übrigens das Smartphone. Ihr Anteil wächst rapide.

Erstmals seit Jahren Wachstum bei den Abonnenten

Das Ergebnis der Veränderung ist sehr ermutigend, denn die Leserinnen und Leser wissen nach 40.000 gedruckten Ausgaben, was sie vom General-Anzeiger erwarten dürfen. Sie nehmen das Angebot an. Erstmals seit Jahren verzeichnet der Verlag deutliches Wachstum bei den Abonnenten. Die Zahl der täglichen Leser ist auf einem Niveau angelangt, das die gedruckte Zeitung einst in ihren besten Tagen erlebte: Rund 160.000 Menschen lesen täglich auf Papier, zwischen 90.000 und 100.000 digital auf dem Smartphone oder dem PC. Manchmal sind es deutlich mehr.

Ist das eine Trendwende? Die Zahl 40.000 warnt uns vor verfrühtem Jubel, denn die Herausforderung, die Zukunft zu gewinnen, bleibt unser täglicher Begleiter. Die Dimension ist gewaltig: Ob es in 130 Jahren eine gedruckte Ausgabe mit der Nummer 80.000 geben wird? Vielleicht gibt es dann eine digitale Zahl, mit der man an eine lange Tradition erinnert. Vielleicht ist sie noch nicht einmal erfunden. Aber es wäre schön, wenn wir heute an ihrem Anfang gestanden hätten. Wir ziehen den Hut vor dem Mut unserer Vorgängerinnen und Vorgänger, wir reihen uns ein in diese Tradition, sich neu zu erfinden, um täglich auf der Höhe der Zeit zu bleiben für die Leser. Wir freuen uns, wenn Sie uns dabei weiter unterstützen und begleiten, in der gedruckten Ausgabe oder digital – oder beides.