Beethoven-Woche im Mai Daniel Hopes Bonner Festival zum 200. der Neunten

Bonn · Der Geiger und Präsident des Beethoven-Hauses über das Geburtstagsprogramm der BTHVN-Woche, die auch ohne die berühmte Sinfonie vieles bietet. Stargast ist der Bariton Thomas Hampson.

Der Präsident des Vereins Beethoven-Haus hat einiges vor: Daniel Hope legt zur BTHVN-Woche selbst Hand an.

Der Präsident des Vereins Beethoven-Haus hat einiges vor: Daniel Hope legt zur BTHVN-Woche selbst Hand an.

Foto: Daniel Waldhecker

Die neunte Sinfonie ist einer der Gründe dafür, dass Daniel Hope den Komponisten Ludwig van Beethovens so sehr bewundert. „Sie verkörpert viel von Beethovens Wunsch nach Humanismus und von seinem Wunsch nach Versöhnung“, sagt der bekannte Geiger und Präsident des Vereins Beethoven-Haus im Gespräch mit dieser Zeitung.

Frage nach der Idee der Heimat

In diesem Jahr feiert die Musikwelt den 200. Jahrestag der Uraufführung des epochalen Meisterwerkes. Dass auch das Beethoven-Haus und Hope ihren Beitrag leisten wollen, liegt auf der Hand. Das Beethoven-Haus unter anderem mit der Rekonstruktion des Uraufführungskonzertes pünktlich zum Jahrestag am 7. Mai in der Historischen Stadthalle Wuppertal (das am 8. Mai noch einmal wiederholt wird), Hope selbst mit der unter seiner Leitung am 8. Mai startenden BTHVN-Woche in Bonn. Die Sinfonie schwebt gleichsam über dem Programm des viertägigen Festivals, auch wenn kein Takt aus der Partitur vorgesehen ist. Hope greift jedoch als künstlerischer Leiter des Kammermusikfestivals die in der neunten Sinfonie durch die Vertonung von Friedrich Schillers „Ode an die Freude“ formulierte humanistische Haltung auf, die er auch in Werken späterer Komponisten wiederfindet.

Dabei will Hope insbesondere die Frage nach der Idee der Heimat und der Heimatlosen in den Fokus rücken. Hope: „Die Frage beschäftigt uns derzeit sowohl in unserem täglichen Leben als auch unserem politischen Dasein.“ Musikalisch geht es ihm dabei darum, Verbindungen herzustellen zwischen Beethoven und den Komponisten der ihm nachfolgenden Generationen, den Einfluss seiner Musik und seiner humanistischen Haltung aufzuzeigen. Natürlich wird den Werken späterer Komponisten auch originale Musik von Beethoven gegenübergestellt. Darauf muss man allerdings bis zum Abschlusskonzert am 11. Mai warten, wenn Hope mit seinen musikalischen Partnern das Klavierquartett in C-Dur WoO 36 zur Aufführung bringt. Als einen besonders spannenden Aspekt dieses Abends empfindet Hope die Gegenüberstellung von Beethovens Werk mit dem zweiten Klavierquartett in c-Moll des wenig bekannten Komponisten Friedrich Gernsheim. Hope: „Er war ein deutscher Komponist jüdischer Herkunft, eng mit Brahms befreundet und eine sehr faszinierende Figur.“ Laut Hope hat der zu Unrecht vergessene Gernsheim durchaus in Beethovens Geist gedacht und komponiert.

Duoabend mit Daniel Hope zur Eröffnung

Neben Hope wirken in dem Festivalfinale im Kammermusiksaal noch Adrien La Marca (Viola), Josephine Knight (Violoncello), Stéphane Logerot (Kontrabass) und Jacques Ammon (Klavier) mit, allesamt Musiker, die auch bei anderen Veranstaltungen des Festivals mit dabei sind. Auch der große Bariton Thomas Hampson kommt zu drei Veranstaltungen des Festivals. Zum Eröffnungsabend am 8. Mai fällt die Besetzung indes noch ein bisschen kleiner aus: Ammon begleit Hope an diesem Abend im Kammermusiksaal am Klavier durch ein buntes Duo-Programm, das von Antonin Dvorák bis zu Hanns Eisler und Jake Heggie reicht.

Doch der Kammermusiksaal ist nicht der einzige Aufführungsort. „Ich bin sehr glücklich darüber, dass ich mit dem Festival auch in diesem Jahr wieder ins Junge Theater gehen kann“, sagt Hope. Dort finden gleich zwei für die programmatische Idee des Festivals zentrale Veranstaltungen statt: „Berlin 1938 – Das Schicksalsjahr“ am 9. Mai sowie „Los Angeles 1943 – Escape to Paradise“ am 10. Mai. „Das sind zwei schicksalsträchtige Jahre für Deutschland und für die ganze Welt“, erläutert Hope. Aber es gehe um mehr. Das erste Programm basiert auf einer Idee Hopes, eine Art Musiktheaterstück zu kreieren, das die Geschichte Jahres 1938 wie in einem Tagebuch von Januar bis zur Pogromnacht im November aus der Sicht eines deutschen und eines amerikanischen Radiomoderators erzählt. Den Soundtrack dazu liefert die Musik jener Zeit, ganz harmlos anfangend mit Benny Goodmans „Sing, Sing, Sing“ bis hin zu Musik eines Erwin Schulhoff, der 1942 in Nazi-Gefangenschaft starb. Hope: „Das rollt unaufhaltsam auf den November ’38 zu.“ Verkörpert werden die beiden Radiomoderatoren aus den politisch wie geografisch so unterschiedlichen Hemisphären durch den Chansonnier und Schauspieler Horst Maria Merz und Thomas Hampson.

Thomas Hampson hat den Text geschrieben

Auch beim Programm „Los Angeles 1943 – Escape to Paradise“ ist Hampson wieder mit von der Partie. Als Sprecher und als Sänger. Dieser Abend sei in gewisser Weise die Verlängerung des Programms vom Vorabend, sagt Hope. „Man ist mitten im Krieg, viele Protagonisten aus dem ersten Stück sind geflohen und zum Teil in Hollywood gelandet.“ Der Abend erzählt aus der Sicht der Amerikaner vom geopolitischen Klima des Jahres, „vor allem auch im Hinblick auf den atomaren Krieg, der durch Robert Oppenheimer und Albert Einstein möglich wurde“. Die Musik zu diesem „Hörspiel“ stammt unter anderem von Gideon Klein, Irving Berlin, Arnold Schönberg, Frank Sinatra oder Duke Ellington. Den Text dazu hat Thomas Hampson geschrieben. Als Ergänzung dazu wird Hope am Samstagvormittag, 11 Uhr, mit Hampson über die an den Abenden zuvor virulent gewordenen Themen sprechen. Titel der Veranstaltung im Kammermusiksaal: „Talk – Musik und Haltung“.

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