Ausstellung im LVR Landesmuseum Das Geheimnis hinter dem Porträt

Bonn · Cony Theis zeigt ein Kunstprojekt mit Patienten in forensischen Psychiatrien. Vier Jahre lang, zwischen 2011 und 2015, hat die Kölner Künstlerin in mehreren Workshops an ihrem Projekt gearbeitet.

 In der Serie „paar/unpaar” porträtierten sich Cony Theis und die Patienten gegenseitig.

In der Serie „paar/unpaar” porträtierten sich Cony Theis und die Patienten gegenseitig.

Foto: Schoenebeck

Ihr Kunstprojekt „Gefangene Geheimnisse“, das betont Cony Theis ausdrücklich, habe sie so angelegt, dass der Ausgang offen gewesen sei. In dieser Aussage stecken gleich mehrere sprachliche Doppeldeutigkeiten, aber das wird erst klar, nachdem man ein wenig tiefer in dieses hochspannende Projekt und in die dazugehörige Ausstellung im LVR Landesmuseum abgetaucht ist.

Vier Jahre lang, zwischen 2011 und 2015, hat die Kölner Künstlerin in mehreren Workshops mit Patienten in den forensischen Psychiatrien in Bedburg-Hau, in Langenfeld und in Münster künstlerisch gearbeitet. Die Patienten, das sind psychisch kranke, schuldunfähige oder vermindert schuldfähige Straftäter, die in einer der Spezialeinrichtungen des Landschaftsverbandes Rheinland sicher untergebracht und dort behandelt werden. Körperverletzung, Raub und Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz sind die häufigsten Einweisungsdelikte; bei rund der Hälfte aller forensischen Patienten wird eine Psychose diagnostiziert. Cony Theis, an der Kunstakademie Düsseldorf ausgebildet, beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Porträt als künstlerischem Thema und bringt dies mit dem Aspekt des Geheimnisses zusammen. Das Thema Geheimnis habe die Patienten total fasziniert, sagt die Künstlerin, die keinen therapeutischen Ansatz verfolgte sondern eine prozesshafte Entwicklung möglich machen wollte. Das Ergebnis ist eine indirekte, intensive und vor allem klischeefreie Begegnung mit Menschen, deren Biografie Teil des künstlerischen Projektes geworden ist.

Dabei verschachteln sich die laienhaften Ausdrucksformen der Patienten mit der von Cony Theis vorgegebenen Struktur, ihren Fragestellungen und ihrem sicheren, als Gerichtsillustratorin geschulten Strich. Wie in der großen Wandarbeit „Waben“, in der jeder der 27 sechseckigen Kästen von einem Porträt der Teilnehmer des Projektes bewohnt wird. Manche der aquarellierten Porträts stammen von der Künstlerin, anderen Wabenfeldern haben die Patienten ihre Geheimnisse anvertraut, in verschlüsselter Form.

In der großartigen Serie „paar/ unpaar“ wurde Theis auch von den Patienten porträtiert, mit zum Teil augenfälligem zeichnerischem Talent. Dazu gibt es die „Honigprotokolle“ mit in Honig versenkten Briefen und Minikassetten oder eine Fotoserie, in der professionelle Geheimnisträger wie Psychologen, Pfarrer und Ärzte von ihrem persönlichen Verhältnis zum Geheimnis berichten. Empfehlenswert ist ebenfalls der ausführliche, reich bebilderte Katalog, in dem auch Therapeuten und Patienten in diesem außergewöhnlichen Kunstprojekt zu Wort kommen.

LVR-Landesmuseum, Colmantstraße 14-16, bis 3. Juli. Di–Fr und So 11-18, Sa 13-18 Uhr, Katalog Kerber Verlag, 40 Euro.

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