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CD-Tipp: Das Trio mit dem Fuchs

CD-Tipp : Das Trio mit dem Fuchs

Kulturtipps für zu Hause aus der Feuilleton-Redaktion: Ein junges Trio aus Luxemburg legt ein außergewöhnliches Album vor - „Sly“ von Reis Demuth Wiltgen.

Schlau wie ein Fuchs, so präsentiert sich das Klaviertrio Reis Demuth Wiltgen auf seinem bereits vierten Album. Das heißt „Sly“ (Schlau) und zeigt einen Fuchs auf dem Cover. Das verbindende Element der drei Musiker. Denn sie sind Luxemburger und der Fuchs wird in einem der wichtigsten literarischen Werke des Landes, in der Fabel „Renert“ von Michel Rodange, verewigt, die auf Goethes Reineke Fuchs zurückgeht. Schlau, kreativ, listig und kunstvoll, diese Attribute verbindet das Management des Labels Cam Jazz mit Michel Reis (Piano), Marc Demuth (Bass) und Paul Wiltgen (Schlagzeug).

Mitreißendes Pianospiel

In erster Linie sind die drei, alle unter 40, äußerst begabt. Und das Trio zählt bestimmt zu den herausragenden dieser Gattung. Versierte Instrumentalisten, die solistisch und als Improvisateure ebenso überzeugen wie im Ensemble. Reis’ Pianospiel ist schlicht mitreißend, sein rockig harter Anschlag, der groovende Fluss seiner Melodien werden kongenial von Schlagzeug und Bass begleitet, wobei der Drummer üppige Freiräume genießt und begeisternd füllt, und der Bass, wie es seine Natur ist, sowohl im melodiösen Part wie in der Rhythmusarbeit Spannendes zu bieten hat.

Das Trio präsentiert 13 sehr gelungene Nummern, Rockiges, Balladesques, Sperriges, Einschmeichelndes. Hohes Überraschungspotenzial: Ein Stück wie „Viral“ ist zart und gleichsam transparent, „Diary Of An Unfettered Mind“ eine tänzerische, voranstürmende Moment­aufnahme, „Snowdrop“ ein rätselhaftes Experiment, „No Storm Lasts Forever“ ein vom Schlagzeug unerbittlich angetriebener Power-Sturm. Das beste Lied der Platte.

Es verwundert nicht, dass der große Saxofonist Joshua Redman und der Star-Arrangeur Vince Mendoza auf das Luxemburger Trio aufmerksam wurden (es empfielt sich unbedingt, bei Youtube zu stöbern).

In loser Folge an dieser Stelle: Kulturtipps für zu Hause aus der Feuilleton-Redaktion.