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Neu im Beethoven-Haus: Der interaktive Titan

Neu im Beethoven-Haus : Der interaktive Titan

Die Klanginstallation „Inside Beethoven! Das begehbare Ensemble“ im Beethoven-Haus. Besucher können Musikern über die Schulter blicken

Wer immer schon mal Musikern beim Musizieren über die Schulter blicken wollte, wer wissen will, wie sich die Musik während des Spiels für einen Aufführenden anhört, der hat jetzt im Beethoven-Haus dazu die Gelegenheit. Denn die aktuelle Sonderausstellung „Inside Beethoven!  Das begehbare Ensemble“ ermöglicht den  Museumsbesuchern auf interaktive Weise Beethovens Musik, hier den ersten Satz des Septetts in Es-Dur op. 20, kennenzulernen.

Dabei handelt es sich um eine begehbare Klanginstallation, die wie eine Bühne gestaltet ist und ein unsichtbares Ensemble erklingen lässt: Sieben digitale Notenpulte mit integrierten Lautsprechern und  jeweils eingelassenen Displays sind in einem Halbrund aufgestellt. Auf der Wand dahinter sind sieben Musiker mit ihren jeweiligen Instrumenten abgebildet. Die Instrumente entsprechen der kammermusikalischen Besetzung für Beethovens Septett: Klarinette, Horn, Fagott, Violine, Viola, Violoncello und Kontrabass. Mittels eines zentralen Schalters können die Museumsbesucher entscheiden, ob sie das Septett hören wollen oder Beethovens Eigenbearbeitung des Werks als Trio op. 38 für Klarinette, Violoncello und Klavier. Auf der virtuellen Bühne kann man verschiedene Plätze einnehmen, sich einen der Instrumentalisten aus der Nähe anhören und dessen gespielte Noten synchron auf dem Display verfolgen. Eine Erfahrung, die über die „normale“ Hörerperspektive hinausgeht und dadurch die Struktur des Musikwerks plastischer macht.

Kooperation mit der Musikhochschule Detmold

Die Klanginstallation „Inside Beethoven!“ ist ein Kooperationsprojekt der Hochschule für Musik Detmold in Kooperation mit dem Beethoven-Haus Bonn, dem Zentrum für Musik- und Filminformatik der Hochschule für Musik Detmold und dem Projekt „Beethovens Werkstatt“ der Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Mainz. Ursprünglich für das Beethoven-Jahr und im Rahmen von BTHVN2020 konzipiert, ist das Beethoven-Haus Bonn die vorerst finale Station des Exponats. Zu dessen Realisierung haben verschiedene Disziplinen maßgeblich beigetragen, erklärt Professor Dr. Aristotelis Hadjakos von der HfM Detmold: „Die  Musikwissenschaft hat das Notenmaterial erstellt und co- diert. Die Musik-Dozenten der Hochschule haben die Stücke einstudiert und gespielt. Tonmeister waren beteiligt, das Fach Musikinformatik, außerdem Mediendesign und eine Messebaufirma.“

Das Beethoven-Haus Bonn gewährt bei seiner Präsentation der Klanginstallation zudem einen Blick auf die Originalausgaben beider Werke, ergänzt um Briefe Beethovens an seine Verleger. 

Den Entwicklungsstand heutiger Musikforschung demonstriert das Forschungsprojekt „Beethovens Werkstatt“: Im Rahmen dieser Ausstellung ist es möglich, das im Forschungsprojekt entwickelte Tool „VideApp-Arr“ an einem Computer zu testen, erklärt Susanne Cox, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei „Beethovens Werkstatt“. Das Tool ist online verfügbar (https://videapp-arr.beethovens-werkstatt.de ) und dürfte vor allem für Musiker inte­ressant sein, denn es ermöglicht den Vergleich verschiedener Fassungen eines Werks Beethovens unter verschiedenen Perspektiven.

Die Klanginstallation ist bis zum 16. Januar 2022 im Beethoven-Haus zu erleben. Im Verlag Beethoven-Haus ist zu „Inside Beethoven!“ ein Katalog mit CD erschienen. Die Sonderausstellung kann mit der Eintrittskarte für das Museum während der aktuell geltenden Öffnungszeiten besucht werden.   https://www.beethoven.de/de/musem.