Glockengießen in der Eifel Der Klang ist kein Zufall

Eifel · Ein Blick hinter die Kulissen der Glockengießerei im Eifelort Brockscheid.

 Glockengießerei Brockscheid: Cornelia Mark-Maas demonstriert, wie bei einer fertigen Glocke der Klang überprüft wird

Glockengießerei Brockscheid: Cornelia Mark-Maas demonstriert, wie bei einer fertigen Glocke der Klang überprüft wird

Foto: Heidrun Braun

Kreisrund und tiefblau leuchtet das Ulmener Maar in der Vulkaneifel. Der Kratersee entstand vor rund 10 000 Jahren, als ein Vulkan glutrote Lava und Asche spuckte. In der Landschaft aus Vulkankegeln und Maaren gibt es einen Ort, in dem immer noch mächtige Feuer lodern, nämlich dann, wenn im Schmelzofen der Glockengießerei von Brockscheid die Bronze für den Glockenguss bei 1100 Grad zum Brodeln gebracht wird. Vier bis fünf Mal im Jahr lässt die Chefin Cornelia Mark-Maas das Feuer zum finalen Glockenguss anfachen.

In der großen Glockengießerwerkstatt erfasst die Besucher etwas Ehrfurcht ob der geradezu feierlichen Atmosphäre. Unweigerlich kommt Friedrich Schillers 19-Strophen-Gedicht „Die Glocke“ in den Sinn. Es beginnt mit dem Vers: „Festgemauert in der Erden, steht die Form aus Lehm gebrannt. Heute muss die Glocke werden, frisch, Gesellen, seid zur Hand!“ – und genauso so läuft es auch noch heute ab.

Die Kunst des Glockengießens ist reine Handarbeit, die nur noch sehr wenige Menschen beherrschen. Der Bedarf an Kirchenglocken ging zurück, nachdem die im Zweiten Weltkrieg zerstörten oder eingeschmolzenen Glocken ersetzt waren. In Deutschland gibt es nur noch fünf Glockengießereien, eine davon etwa in der Abtei Maria Laach.

Die Eifeler Glockengießerei hat eine lange Familientradition, die sich bis in das Jahr 1620 zurückverfolgen lässt. Die Vorfahren von Cornelia Mark-Maas waren noch Glockengießer auf Wanderschaft und stellten die Kirchenglocken vor Ort her. Ein Transport der schweren Bronzeglocken wäre viel zu teuer gewesen. Seit 1840 werden in Brockscheid Glocken gegossen.

Schon als Kind hat sich Cornelia Mark-Maas für dieses Handwerk interessiert. Oft schaute sie ihrem Vater Hans August Mark bei der Arbeit über die Schulter. Ihre Berufswahl war klar, ohne dass die Eltern ihre Tochter hätten drängen müssen. Bis heute ist die 54-Jährige die einzige Glockengießermeisterin in Deutschland. Ihr 24-jähriger Sohn Julius legt bald die Meisterprüfung ab und setzt die Familientradition ebenfalls fort.

Pro Jahr sind es mehr als 50 große und kleinere Glocken, die das Haus verlassen. Die vier großen Glocken in der berühmten Potsdamer Nikolaikirche zum Beispiel kommen aus Brockscheid. Die größte von ihnen wiegt 1700 Kilogramm. Einige Glocken traten eine weite Reise an, zum Beispiel nach Ecuador, Sri Lanka, Nigeria, Korea und Argentinien.

Bei einer Besucherführung durch die Glockengießerei erklärt Cornelia Mark-Maas, wie viele Arbeitsschritte nötig sind, bis es zum eigentlichen Glockenguss kommt. „Der Klang der Glocke ist kein Zufall. Er wird genau berechnet“, sagt Cornelia Mark-Maas. Wie das möglich ist, verrät sie allerdings nicht: „Das ist streng gehütetes Familiengeheimnis.“ Sie zeigt nur das geheimnisvolle Buchenbrett, auf dem das Profil der Glocke eingezeichnet ist. Es ist drehbar an der Form aus Ziegeln und Lehm angebracht, doch nur der Glockengießer vermag die Zeichen zu deuten, die auch Größe und Gewicht genau vorherbestimmen.

Weil der Bedarf an Glocken nicht sehr groß ist, hat sich die Gießerei mit zwölf Mitarbeitern auch auf alle Arbeiten rund um den Glockeneinbau an Ort und Stelle spezialisiert. Sie stellen Glockenstühle aus Stahl und Holz her, fertigen Turmjalousien an, installieren elektrische Läutanlagen, reparieren und restaurieren Turmuhren. Zwei Glocken für die Antoniter-Kirche in der Kölner Innenstadt stehen fertig für den Einbau bereit und werden demnächst von den Brockscheidern vor Ort montiert. Zur Glockengießerei gehört auch ein Laden, in dem es Glöckchen und Glocken in vielen Größen sowie andere Gegenstände aus Bronzeguss zu kaufen gibt.

Info: Eifeler Glockengießerei, Glockenstraße 51, Brockscheid, Führungen im Winter täglich 15 Uhr sowie ab 1. April um 10, 11, 12, 14, 15 und 16 Uhr, Erw. 3 Euro, Kinder zwischen 6 und 17 Jahren 2 Euro. Tel. (06573) 990 330, www.glockengiesser.de

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