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30 Jahre Stadtgarten Köln: Ein Haus für den Jazz

30 Jahre Stadtgarten Köln : Ein Haus für den Jazz

Konzerthalle, Restaurant und ein großer Biergarten mitten in Köln: Der Stadtgarten in der Venloer Straße feiert seinen 30. Geburtstag mit einem kleinen Festival.

Köln, Anfang der achtziger Jahre. Vier Studenten der Musikhochschule entdecken ihre gemeinsame Leidenschaft für den modernen Jazz. Reiner Michalke, Gerhard Veeck, Norbert von der Grün und Matthias von Welck sind aktive Musiker, spielen in Bands. Der Schlagzeuger Matthias von Welck kommt aus Bonn, er ist mit den Jazzformationen Boury und Yukatan regelmäßig Gast in der Jazz Galerie, dem angesagten Musikclub in der Bonner Oxfordstraße. Die vier spielfreudigen Kommilitonen stellen fest, dass ausgerechnet in Köln eine Spielstätte für regelmäßige Jazzkonzerte fehlt.

Und die jungen Jazzfreunde sind wild entschlossen, ein solches „Haus für den Jazz“ in Eigenregie zu errichten. Man sucht einen geeigneten Gebäudekomplex und wird irgendwann in der Venloer Straße fündig. Sie ist mit 8536 Metern zwar die längste Ausfallstraße Köln, doch das Areal liegt zentral und verkehrsgünstig zwischen Friesenplatz und Westbahnhof. Der Stadtgarten ist ein historisches Ausflugslokal. „Es befand sich in städtischem Eigentum und war verpachtet, doch der Betreiber hatte keine Lust mehr“, sagt Matthias von Welck. Und es passte. „Im Außenbereich stand sogar noch eine Muschel für Kurkonzerte“, erinnert sich van Welck.

Man wurde sich einig, und für die vier Musikstudenten begann damit ein langer Weg durch die Niederungen der Praxis. Umbau, Konzessionen, gastronomische Infrastruktur, Personal, Programmplanung. 1986 ging der große Traum in Erfüllung. Und noch weitere, kleinere Träume konnten realisiert werden. So entstand nur sechs Jahre später mit dem Studio 672 eine zweite Bühne für musikalische Experimente von Jazz bis Techno.

In der ersten Septemberwoche feiert der Stadtgarten nun seinen 30. Geburtstag, und er tut dies als etabliertes, international agierendes Kulturunternehmen. Immerhin finden auf den beiden Bühnen jährlich rund 400 Konzerte statt. Auch Partyreihen, Lesungen und Diskussionsrunden stehen im Programmplan. Zudem spielt der Stadtgarten am gleichnamigen Park weiterhin die Rolle eines Ausflugslokals – mit Biergarten, Café und dem mediterranen Restaurant Al Bosco. Seit 2005 veranstalten die Jazzer sogar einen Weihnachtsmarkt.

Matthias von Welck (60) zeigt sich zum Jubiläum angenehm überrascht, „dass dieses Projekt so lange so gut funktioniert hat.“ Zumal alle vier Gründungsmitglieder bis auf den heutigen Tag mitwirken. Die ehemaligen Studenten zählen mittlerweile zur Generation 60plus und planen bereits einen sanften Generationswechsel sowie eine institutionelle Vernetzung mit artverwandten Einrichtungen auf dem Kontinent. Geplant ist ein Europäisches Zentrum für Jazz und Aktuelle Musik mit dem Stadtgarten als Schaltzentrale. Im Kern geht es um den Austausch von Musikern und Projekten.

Den offiziellen Geburtstag am 4. September feiert man mit einem viertägigen Festival. Am 1. September (20 Uhr) spielt auf der Außenbühne das 2. Kölner Weltorchester mit 60 Musikern aus der Kölner Szene. Ein 1. Kölner Weltorchester hatte 1984 auf dem Parkplatz des ehemaligen Park-Restaurants Stadtgarten musiziert – an der Stelle des heutigen Konzertsaals. Der Eintritt ist frei. Um 22 Uhr interpretiert Altmeister Gerd Dudek mit dem Denis Gäbel Quintett die Musik von John Coltrane.

Am 2.und 3. September treten unter anderem die Musiker Fabian Almazan, Kaja Draksler, Susana Santos Silva und Django Bates auf. Am 4. September erinnert der Stadtgarten mit einer Matinee an den verstorbenen Komponisten und WDR-Musikredakteur Manfred Niehaus, „dem wir in ganz hohem Maße die Existenz des Stadtgartens als Spielstätte für Jazz und aktuelle Musik verdanken“, wie es heißt.

Info: Tel. (0221) 95 299 40, www.stadtgarten.de