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Tatort aus Luzern: Es gibt nur Verlierer

Tatort aus Luzern : Es gibt nur Verlierer

Der Luzerner Tatort „Kriegssplitter“ ist bedrückend eindringlich. Allerdings geht die Krimihandlung verloren, meint GA-Redakteur Christoph Meurer.

Zwei Sekunden hat Leo Manser (Dani Mangisch) Zeit, um über sein Leben nachzudenken. So lange dauert nämlich der freie Fall des Journalisten aus einem Hotelfenster. Dann liegt er tot auf der Straße – beobachtet von Kriminalkommissar Reto Flückiger, der sich gerade in dem Hotel heimlich mit einer verheirateten Frau trifft.

Die unglückliche Liebelei gerät allerdings schnell in den Hintergrund des „Tatorts“ aus Luzern. Vielmehr ermitteln Flückiger und seine Kollegin Liz Ritschard (Delia Mayer) in einem Fall, der weit über die Grenzen der Schweiz hinausgeht: Journalist Manser hatte nämlich Verbindungen nach Tschetschenien. Dessen Hauptstadt Grosny ist fast 3000 Kilometer Luftlinie von Luzern entfernt.

Und doch sind die Tschetschenienkriege der 90er Jahre am Ufer des Vierwaldstättersees auf einmal sehr präsent. Denn nicht nur der Tote war einem vermeintlichen Kriegsverbrecher auf der Spur. Auch die russische Botschaft und gar ein Auftragskiller interessieren sich für den Mann, der mit falscher Identität in Luzern leben soll. Bei ihren Ermittlungen stoßen die Kommissare zudem auf ein ungleiches Geschwisterpaar, das von seiner tragischen Vergangenheit eingeholt wird.

Wobei: Von Ermittlungen kann nur bedingt die Rede sein. Zwar ist der „Tatort“ von Tobias Ineichen (Regie) sowie der Drehbuchautoren Stefan Brunner und Lorenz Langenegger auf seine durchweg bedrückende Art eindringlich. Allerdings muss die Krimihandlung wie bei so manchem „Tatort“ zugunsten einer höheren Aussage zurücktreten – in diesem Fall die humanistische Botschaft, dass es im Krieg nur Verlierer gibt.